Umgekippte Strandliegen und Sonnenschirme am Strand von Chalkidiki  | Bildquelle: REUTERS

Griechenland Sieben Menschen sterben bei Unwetter

Stand: 11.07.2019 17:10 Uhr

Bei einem schweren Unwetter im Norden Griechenlands sind sechs Touristen ums Leben gekommen. Rettungskräfte fanden eine weitere Leiche. Dabei soll es sich um einen vermissten griechischen Fischer handeln.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Kasandra, der erste Finger des Ferienparadieses Chalkidiki in Nord-Griechenland: Wasserpfützen und durchnässte Möbel dort, wo gestern noch 38 Grad gemessen wurden. In nur wenigen Minuten brachte gestern Abend ein schweres Unwetter extrem viel Regen und heftigen Sturm. Über drei Dörfer im westlichen Teil der Halbinsel Chalkidiki fegte ein lokaler Wirbelsturm und richtete großen Schaden an.

Sogar Autos fliegen durch die Luft

Augenzeugen berichten gar von fliegenden Autos: "Aus jeder Richtung wirbelten irgendwelche Sachen durch die Luft, an einigen Stellen blieb kein Stein auf dem anderen, da ist viel kurz und klein gehauen!"

Im griechischen Fernsehen rennen Reporter zwischen Stränden und eingeknickten Tavernendächern umher und suchen nach Augenzeugen, die bei Dunkelheit noch gar nicht genau abschätzen konnten, wie schlimm es ihr Haus getroffen hatte.

Notstand nach schwerem Unwetter im Norden Griechenlands
tagesschau 17:00 Uhr, 11.07.2019, Ellen Trapp, zzt. ARD Athen

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In einer Sekunde das Leben verloren

An einem der Stände auf Kasandra, nicht weit vom künstlichen Kanal im Norden, liegt ein total zerbeultes Wohnmobil auf dem Kopf. In ihm starben ein Mann aus Tschechien und seine Frau - zwei andere Familienmitglieder konnten sich aus dem Wagen retten, bevor der Wirbelsturm das Auto mehrfach in der Luft drehte.

"Jetzt habe ich verstanden, wie es sich anfühlen muss, wenn du in nur einer Sekunde dein Leben verlierst", sagt eine ältere Frau in einem der betroffenen Dörfer. "Das muss man miterleben, um es wirklich zu verstehen."

Der Sturm war wie ein Tornado

Alle sprechen von einem Tornado, möglicherweise waren es mehrere heftige Flanken eines starken Sturms - wie immer bei solchen Wetterphänomenen haben die Menschen besonderes Unglück, die mitten drin stecken. Die traurige Bilanz des Chefs der Feuerwehr in der griechischen Region Mazedonien, Kostas Pachidis:

"Wir haben sechs Tote und 32 schwerer verletzte Menschen. Wir hoffen, dass es nicht noch weitere Tote gibt. Hunderte Bäume sind entwurzelt worden oder umgeknickt. Wir suchen die Gegend ganz genau ab, denn wir konnten ja erst mit Tageslicht die Lage genau überprüfen."

Tote, Verletzte, Vermisste

Bislang wurden mehr als 60 verletzte Menschen versorgt. Eine Frau schwebt mit schwersten Kopfverletzungen in einem Krankenhaus in Thessaloniki noch in Lebensgefahr. Sechs Urlauber aus Tschechien, Rumänien und Russland sind bei dem Unwetter gestorben.

Bei einer weiteren gefundenen Leiche soll es sich um einen vermissten 62-jährigen griechischen Fischer handeln, berichtet der griechische Fernsehsender Skai.

Unwetter auch in Italien

Die bei Urlaubern beliebte italienische Adriaküste ist gestern ebenfalls von einem heftigen Unwetter heimgesucht worden. Betroffen waren laut Wetterdienst 3BMeteo vor allem die Regionen Emilia-Romagna um Rimini, die Marken um die Stadt Ancona und die Abruzzen. In der Stadt Pescara wurden 18 Menschen verletzt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. In der Nähe von Ancona sei ein Mensch an einem Blitzschlag gestorben. Auf Videos ist zu sehen, wie sich über einem Strand in den Abruzzen dunkle Wolken zusammenbrauen und heftiger Wind peitscht. Menschen bringen sich in Sicherheit. Ansa berichtete in Pescara von Hagelkörnern "so groß wie Orangen". Bilder von einem Strand in Numana bei Ancona zeigen, wie Strandbäder vollkommen zerstört sind. Bürgermeister Gianluigi Tombolini sprach auf Facebook von "gewaltigen Schäden". Die Feuerwehr berichtete auf Twitter von Dutzenden Einsätzen, umgestürzten Bäumen und überschwemmten Straßen.

Selbst Einheimische geschockt

Aber Konstantinos, ein anderer Fischer, der sein vom Sturm regelrecht zerpflücktes kleines Holzboot einem Fernsehkameramann zeigt, meint: "Es war für mich viel heftiger als alles, was ich bisher kannte. Ich bin 77 Jahre alt, ich habe so etwas Schreckliches noch nie in meinem Leben erlebt. Sowas habe ich noch nie gesehen."

Der Sonnenschein trügt

Heute lächelt schon wieder die Sonne auf Chalkidiki durch ein paar Wolken hindurch. Viele Urlauber haben lediglich die Ausläufer dieser für einige so katastrophalen halben Stunde mitbekommen und sehen sich die Schäden per Smartphone oder als Schaulustige an.

Und die Chancen stehen sehr gut, dass die deutschen Urlauber, die in den nächsten Wochen an einen der besonders beliebten Strände der Halbinsel kommen, keinen einzigen Regentropfen abbekommen - und dass die kaputten Sonnenschirme und durchnässten Liegen der vergangenen Nacht längst weggeräumt sind.

Unwetter auf Chalkidiki - Bilanz einer lokalen Katastrophe
Michael Lehmann, ARD Athen
11.07.2019 12:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Juli 2019 um 09:00 Uhr sowie die tagesschau am 11. Juli 2019 um 08:30 Uhr.

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