Fußgänger mit Mundschutz überqueren eine Straße in Taipeh (Taiwan). | EPA

Corona-Pandemie in Taiwan "Wir wurden vielleicht etwas nachlässig"

Stand: 14.05.2021 12:31 Uhr

Bisher hatte Taiwan das Coronavirus recht gut unter Kontrolle. Doch nun gibt es dort wieder lokale Ausbrüche. Die Warnstufe wurde erhöht. Wie überall in Ostasien geht es mit dem Impfen nur langsam voran.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen versucht es mit einem Spagat. Sie versucht, ihrem Volk einerseits den Ernst der Lage klar zu machen und ihm andererseits das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln: "Wir stehen vor einer ernsten Herausforderung. Bitte seien Sie wachsam und halten Sie sich an die Vorschriften. Sie können sicher sein, dass wir diese Herausforderung mit vereinten Kräften überwinden werden."

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Falschmeldungen prüfen

Und mit einer guten Portion gesundem Menschenverstand: Das heißt, man solle nicht alles glauben, was einem vor allem in den sozialen Medien erzählt werde, sagt Tsai Ing-wen.

"Es wird auch immer wieder Meldungen aus unklaren Quellen geben, also absichtliche Falschmeldungen. Wenn sie solche Nachrichten erhalten, prüfen sie diese erst, bevor sie sie weiterleiten. Ich werde die Epidemie-Kommandozentrale anweisen, korrekte Informationen noch stärker zu verbreiten. Bitte seien Sie wachsam."

Wo liegt der Ursprung der Neuinfektionen?

Seit Jahresbeginn hatte es immer wieder kleinere lokale Corona-Ausbrüche gegeben. Nervös wurde das Gesundheitsministerium zuletzt, weil der Ursprung einiger lokaler Neuinfektionen nicht zurückverfolgt werden konnte. Schnell wurde deshalb Warnstufe zwei ausgerufen. Es gibt insgesamt vier.

Und so wird es vorerst auch bleiben, versprach Taiwans Gesundheitsminister Chen Shih-chung: "Es geht noch nicht um einen Lockdown. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Warnstufe Drei ausrufen, ist gesunken. Die verschiedenen Cluster scheinen alle miteinander verbunden zu sein. Es sind verschiedene Orte, aber wohl eine gemeinsame Quelle."

Wieder neue Maßnahmen

Einige Infektionen wiesen auf dieselbe Mutation hin, so Chen. Draußen müssen die Menschen jetzt wieder überall Maske tragen, dürfen sich drinnen nur noch maximal zu fünft und draußen maximal zu zehnt treffen.

Der Vorplatz eines Krankenhauses in Taipeh. Einige Menschen sitzen in der Sonne. Vielleicht waren wir ein bisschen zu entspannt mit Corona, sagt diese Angestellte: "Im Vergleich zum Ausland war die Situation in Taiwan lange sehr stabil, deswegen wurden wir vielleicht ein bisschen nachlässig."

Das sieht diese Mutter ähnlich: "Die Bevölkerung war zu lax, die Regierung hat die Situation auch nicht ganz unter Kontrolle gehabt."

Impfstoff-Nachfrage gering

Und wie andere Länder in der Region hat Taiwan auch erst spät mit dem Impfen begonnen. Aus gutem Grund, meint dieser 61-Jährige: "Taiwan impft etwas langsamer, weil unsere Prävention so gut ist. Das Krisenbewusstsein ist etwas geringer."

Seit Ende März wurden 320.000 Dosen AstraZeneca geliefert, knapp die Hälfte davon wurde bisher verimpft. Weil die Nachfrage zunächst so gering war und damit der Impfstoff nicht verfällt, hatte die Regierung 20.000 Dosen an Selbstzahler ausgegeben. Die waren dann sofort vergriffen.

20 Millionen Impfdosen bestellt

Jetzt mit den jüngsten Ansteckungen wird die Nachfrage aber rasant steigen, ist diese Lehrerin sicher: "Weil die Lage diese Woche ernster wurde, wollen jetzt vielleicht alle zur Impfung."

Insgesamt hat Taiwan 20 Millionen Imfpfdosen bestellt. Es wird an nichts fehlen, auch nicht im Falle von steigenden Infektionszahlen, versichert Taiwans Präsidentin.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Mai 2021 um 03:03 Uhr.