Zerstörte Häuser in der Provinz Idlib (Archivbild) | AP

Syrische Provinz Idlib UN warnen vor humanitärer Katastrophe

Stand: 25.12.2019 03:39 Uhr

Die Offensive der syrischen Regierung treibt Zehntausende in Idlib in die Flucht. Die UN warnen vor einer Katastrophe an der Grenze zur Türkei - aber die Kämpfe gehen weiter. Beim Angriff auf eine Schule starben sechs Kinder.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat mit Blick auf Zehntausende Flüchtlinge zum sofortigen Stopp der Kämpfe in der syrischen Rebellenprovinz Idlib aufgerufen. "Der Generalsekretär erinnert alle Parteien an die Pflicht, Zivilisten zu schützen", erklärte UN-Sprecher Stephane Dujarric. "Die UN drängt alle Parteien dazu, den ungehinderten Zugang aller humanitären Parteien zu erlauben, um denjenigen in Not lebensrettende Hilfe zukommen zu lassen."

Die türkische Regierung in Ankara forderte wiederum Russland auf, in eine neue Waffenruhe einzuwilligen. Die Bombardierungen müssten "sofort" aufhören, sagte Regierungssprecher Ibrahim Kalin. Eine türkische Delegation war zuvor nach Moskau gereist, um sich für eine Waffenruhe einzusetzen.

Kinder bei Raketenangriff getötet

Ungeachtet aller internationalen Appelle gehen die Kämpfe in Idlib mit unverminderter Härte weiter. Im Nordwesten der Provinz traf eine Rakete ein Schulgebäude, dabei wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte - die sich ihrerseits auf Berichte von Aktivisten vor Ort beruft - mindestens zehn Menschen getötet - unter ihnen sechs Kinder. Verantwortlich für den Angriff sei Russland. Moskau ist der wichtigste Verbündete von Syriens Präsident Baschar al-Assad, die russischen Streitkräfte unterstützen die syrische Armee unter anderem aus der Luft.

120.000 Menschen auf der Flucht

Unterdessen wird die Lage an der Grenze zur Türkei immer dramatischer: Nach Informationen von Hilfsorganisationen sollen etwa 120.000 Menschen vor den Kämpfen in Richtung türkischer Grenze fliehen. Die Zahl der Flüchtlinge stieg laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte allein seit Donnerstag um 40.000 Menschen.

Helfer der Weißhelme der syrischen Opposition berichteten, die Orte Maaret al-Numan und die 30 Kilometer nördlich gelegene Stadt Sarakeb seien nahezu leer, nachdem Zehntausende vor Artilleriebeschuss und Luftangriffen geflohen seien. Die regierungsnahe Zeitung "Al-Watan" berichtete, syrische Truppen seien nur noch wenige Kilometer von Maaret al-Numan entfernt. Die Stadt hatte einmal mehr als 90.000 Einwohner, Sarakeb um die 30.000.

Die Provinz Idlib in Syrien | AFP

Viele Ortschaften in Idlib - wie hier Maaret al-Numan - sind komplett zerstört. Bild: AFP

Türkei lehnt weitere Aufnahme von Flüchtlingen ab

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lehnt die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ab, da sein Land bereits 3,7 Millionen Vertriebene aus Syrien aufgenommen und keine weiteren Kapazitäten habe.

Russland unterstützt die Angriffe der Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auf die Rebellenprovinz. Die Türkei hat sich dagegen mit bestimmten Rebellengruppen in Idlib verbündet und will zudem einen Sicherheitskorridor auf syrischem Gebiet einrichten, in dem die derzeit in der Türkei lebenden Flüchtlinge angesiedelt werden sollen.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Dezember 2019 um 04:49 Uhr.