Syrische Flagge in Daraa | Bildquelle: AFP

Syrien Älteste Rebellenhochburg fällt an die Regierung

Stand: 12.07.2018 20:52 Uhr

Syrische Regierungstruppen sind in Stadtviertel von Daraa einmarschiert, die in den vergangenen Jahren von Aufständischen gehalten worden waren. Sie gelten als die Wiege des Aufstands gegen Präsident Assad.

Mehr als sieben Jahre nach dem Beginn des Kriegs in Syrien hat die Regierung einen Erfolg mit großer Symbolwirkung erzielt. Die Rebellen gaben die Stadt Daraa im Süden des Landes auf, die als Wiege des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad gilt. Anhänger des Machthabers hissten die syrische Flagge über dem Teil Daraas, der noch in den Händen von Aufständischen war, wie die staatliche Agentur Sana meldete.

Rebellensprecher Ibrahim Dschabawi bestätigte, die Regierungsgegner hätten zuvor eine Einigung mit Russland erzielt. Demnach geben die Rebellen in Daraa ihre schweren Waffen ab. Sie hatten zuletzt noch einen Teil der Stadt kontrolliert, waren aber von Regierungstruppen belagert worden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zogen die Regierungstruppen nach dem Hissen der Flagge wieder ab. Aktivisten erklärten, es hielten sich weiterhin Aufständische in der Stadt auf. Rebellensprecher Dschabawi teilte mit, das ausgehandelte Abkommen sehe nicht vor, dass dort Regierungstruppen einrückten.

Daraa/Syrien: Zerstörte Häuser und Rauchsäule | Bildquelle: AFP
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Vor dem Einmarsch waren Stadtteile von Daraa bombardiert worden.

Schüler in Daraa lösten Aufstand aus

Daraa gilt als Ausgangspunkt des Aufstands gegen Assad, da dort im Frühjahr 2011 eine Gruppe von Schülern regierungskritische Graffiti an Wände gesprüht hatten. Sie waren festgenommen und gefoltert worden. Nach den Festnahmen kam es in der Stadt zu Protesten, gegen die die Regierung gewaltsam vorging. Doch die Proteste weiteteten sich auf das ganze Land aus. Mittlerweile sind in dem Krieg mehr als 400.000 Menschen getötet worden.

Syriens Armee kontrolliert inzwischen mehr als 80 Prozent der Provinz Daraa, meldeten regierungsnahe Medien und die Syrische Beobachtungsstelle. Regierungsgegnern bleibt in der Region ein Streifen an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen. Ein Gebiet wird dort auch noch von einem Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beherrscht.

In der Region sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor Kämpfen und den Regierungstruppen. Die Hilfsorganisation Oxfam warnte, Tausende seien von Hilfslieferungen abgeschnitten.

Russland, die USA und das Nachbarland Jordanien hatten sich vor rund einem Jahr auf eine Deeskalationszone für Daraa geeinigt. Regierungstruppen begannen im Juni dennoch eine Offensive, die von Moskaus Luftwaffe unterstützt wird.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Juli 2018 um 20:00 Uhr.

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