Karte: Syrien mit Damaskus und Homs  |

Angriff auf Militärbasis Syrien macht Israel verantwortlich

Stand: 09.04.2018 10:56 Uhr

Syrien und Russland haben Israel vorgeworfen, für den Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis verantwortlich zu sein. Dabei starben in der Nacht 14 Menschen, darunter auch iranische Kämpfer.

Für den Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis ist nach Darstellung Russlands und der Regierung in Damaskus Israel verantwortlich. Zwei F-15-Kampfjets der israelischen Armee hätten den Stützpunkt in der Nacht mit acht Raketen attackiert, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Die Raketen seien vom libanesischen Luftraum aus abgefeuert worden. Die israelischen Kampfjets seien nicht in den syrischen Luftraum eingedrungen. Zuvor hatten libanesische Medien berichtet, in der Nacht seien israelische Jets im Luftraum des Landes beobachtet worden. Ein israelischer Militärsprecher sagte, er könne sich zu den Angaben nicht äußern.

Israel hatte in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele in dem Bürgerkriegsland bombardiert. Die Angriffe richteten sich nach Einschätzung von Beobachtern vor allem gegen die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah, einen engen Verbündeten der syrischen Armee. Die bewaffnete Gruppe wird vom schiitischen Iran finanziert.

14 Tote durch Raketen

In Syrien waren bei dem Angriff auf den Militärflughafen in der Provinz Homs nach Angaben von Aktivisten mindestens 14 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch iranische Kämpfer, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehrere Geschosse hatten in der Nacht den Flughafen Taifur im Zentrum des Landes getroffen.

Washington dementiert

Zuvor hatten syrische Medien berichtetet, es sei davon auszugehen, dass es sich um einen US-Angriff gehandelt habe. Dem widersprach die Regierung in Washington jedoch umgehend. "Derzeit führt das Verteidigungsministerium keine Luftschläge in Syrien durch", sagte ein Sprecher des Pentagon. "Allerdings beobachten wir die Situation weiterhin genau und unterstützen die diplomatischen Bemühungen, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die Chemiewaffen in Syrien und anderswo einsetzen".

Trump droht

Damit bezog der Sprecher sich auf den mutmaßlichen Einsatz von Giftgas beim Bombardement der Rebellenhochburg Duma in Ost-Ghouta. Dabei sollen bis zu 150 Menschen ums Leben gekommen sein; Aufständische berichten, Regierungsjets hätten Bomben mit Chlorgas abgeworfen. Am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump den syrischen Diktator Baschar al-Assad für den Giftgaseinsatz verantwortlich gemacht. Assad und seine Unterstützer, Russland und Iran, müssten dafür einen hohen Preis zahlen, twitterte Trump. Vor einem Jahr hatte Trump einen Giftgaseinsatz des Assad-Regimes in Chan Scheichun bestraft, indem er einen syrischen Luftwaffenstützpunkt bombardieren ließ.

Rauch steigt nach erneuten Luftangriffen über der syrischen Rebellenhochburg Duma auf. | dpa

In der Rebellenhochburg Duma soll das Assad-Regime Giftgas eingesetzt haben, berichten Oppositionelle. Bild: dpa

Frankreich geht auch von Giftgaseinsatz aus

Nach einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erklärte auch der Élysée-Palast, man sei sich sicher, dass in Duma Giftgas eingesetzt worden sei. Ein "Austausch von Informationen und Analyseergebnissen" habe dies bestätigt. Nun gelte es, zu klären, wer dafür verantwortlich sei, hieß es.

Die Internationale Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) untersucht den mutmaßlichen Giftgasangriff auf die Rebellenhochburg. Auf Grundlage der Berichte zu dem Vorfall sei bereits eine erste Analyse erstellt worden, sagte OPCW-Chef Ahmet Üzümcü. Nun würden weitere Informationen gesammelt, um zu prüfen, ob tatsächlich Chemiewaffen eingesetzt worden seien. Dazu befragen die Experten Zeugen und stellen Boden- und Gewebeproben sicher. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte derweil bei einer Pressekonferenz in Moskau, russische Experten hätten in Duma "keinerlei Spuren" von Giftgas gefunden.

UN-Sicherheitsrat tagt zu Syrien

Am Abend will sich der UN-Sicherheitsrat erneut mit dem Konflikt befassen. Die USA beantragten eine Dringlichkeitssitzung mit acht weiteren Staaten, darunter auch die ständigen Ratsmitglieder Frankreich und Großbritannien.

Mit Informationen von Martin Ganslmeier,

ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. April 2018 um 10:45 Uhr in den Nachrichten.