Rauchwolken steigen nach Einschlägen über der syrischen Stadt Duma auf | dpa

Kämpfe in Ost-Ghouta Berichte über Giftgasangriff in Syrien

Stand: 08.04.2018 03:55 Uhr

Syrische Kampfjets fliegen seit Tagen Angriffe auf die von Aufständischen gehaltene Stadt Duma. Dabei sei auch Giftgas eingesetzt worden, berichten Hilfsorganisationen. Die Regierung bestreitet das.

Bei schweren Luftangriffen auf die von Aufständischen gehaltene Stadt Duma in der syrischen Region Ost-Ghouta ist möglicherweise Giftgas eingesetzt worden. Mehrere Bewohner litten unter Atemnot, nachdem ein Wohngebiet mit Gas angegriffen worden sei, berichtete die syrische Hilfsorganisation Weißhelme. Zudem hätten die Bewohner Symptome wie Schaum vor dem Mund und erweiterte Pupillen aufgewiesen. Dies spreche für das Giftgas Sarin. Allerdings berichteten die Weißhelme auch von einem Geruch nach Chlor, was auf Chlorgas hindeuten würde.

Auch die Hilfsorganisation Syrian American Medical Society erklärte, Ärzte hätten Verletzte mit Symptomen einer Chlorgasvergiftung behandelt. Die Hilfsorganisation UOSSM geht ebenfalls von einem Chemiewaffenangriff aus.

Hubschrauber soll Fassbombe abgeworfen haben

Ein Hubschrauber habe eine Fassbombe mit Chemikalien über Duma abgeworfen, erklärten die Weißhelme. Die Zahl der Opfer steige beständig. Ganze Familien sollen in ihren Schutzunterkünften erstickt sein. Allerdings schwankten die Opferzahlen sehr stark: Verschiedene Organisationen berichteten von 80 bis hin zu 150 Toten und bis zu 1000 Verletzten.

Syrische Staatsmedien wiesen die Angaben umgehend zurück. Die Rebellen in Duma stünden vor der Niederlage und verbreiteten Unwahrheiten. Derartige Berichte dienten nur dazu, das Vorrücken der syrischen Armee zu hindern, schrieb die syrische Nachrichtenagentur Sana.

Ähnlich äußerte sich auch das russische Militär, das die syrischen Streitkräfte unterstützt. Die Berichte über den Giftgas-Einsatz seien "fabrizierte Anschuldigungen", zitierte die Agentur Interfax den Generalmajor Juri Jewtuschenko.

Rauchwolke über der umkämpften syrischen Stadt Duma | dpa

Seit Tagen liegt die Stadt Duma unter schwerem Feuer. Bild: dpa

USA wollen Berichte prüfen

Die Berichte über den möglichen Einsatz von Giftgas konnten zunächst nicht durch unabhängige Beobachter verifiziert werden. Das US-Außenministerium teilte mit, die Berichte zu überprüfen. Sollten sich die Berichte bestätigen, sei eine sofortige Antwort der internationalen Gemeinschaft gefordert. Die syrische Regierung habe bereits Giftgas gegen das eigene Volk eingesetzt. Die Regierung von Präsident Bashar al-Assad hatte dagegen wiederholt bestritten, in dem Bürgerkrieg Chemiewaffen einzusetzen. Syrien hatte 2013 einer von Russland und den USA mit ausgehandelten Vereinbarung zugestimmt, wonach es seine Chemiewaffen zerstört.

Regierungstruppen haben seit Februar fast das komplette zwischenzeitlich von Aufständischen kontrollierte Gebiet in Ost-Ghuta bei Damaskus zurückerobert. Nur in Duma haben sich noch Aufständische der Gruppe Dschaisch al-Islam verschanzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. April 2018 um 04:56 Uhr.

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KOMMENTARE

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Pharaoseb... 08.04.2018 • 06:00 Uhr

Das kennen wir schon ...

"Die syrische Regierung habe bereits Giftgas gegen das eigene Volk eingesetzt." ??? Unbewiesene Anschuldigungen ohne jegliche Beweise und dann noch die Weißhelme, welche als angebliche Helfer und neutrale Informationsquelle ja sehr glaubwürdig sind ;) Das Gleiche Spielchen wie bei Skripal, die Dämonisierung von Assad und Putin um die westliche Bevölkerung auf Kriegskurs zu halten. Wie soll man das noch nennen? Dank des Internet und der alternativen Medien kann heute jeder wissen wie geopolitische Spielchen genutzt werden um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Man muss sich nur den militärisch industriellen Sektor betrachten. Wir haben alle noch in Errinnerung wie die USA-NATO den Irak-Krieg begründet haben, Millionen Tote und keine Konsequenzen. Und dann schwafeln westliche Politiker und Leitmedien von Menschenrechten.