Das historische "Stonewall Inn" in New York. | Bildquelle: REUTERS

"Stonewall"-Jahrestag Der Beginn der schwulen Emanzipation

Stand: 03.05.2019 03:08 Uhr

Es war der Beginn der Schwulen-Emanzipation: Die Ausschreitungen in der New Yorker "Stonewall Inn"-Bar jähren sich zum fünfzigsten Mal. Eine Ausstellung erinnert an die Anführer einer neuen Generation.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Sie war ein Model für Andy Warhol. Man nannte sie die "Bürgermeisterin der Christopher Street“, der Straße im Greenwich Village, an der die Bar "Stonewall Inn" liegt. Und es war sie, die Drag Queen Marsha P. Johnson, die angeblich - oder vielleicht auch nicht - in der ersten Nacht der Krawalle ein Schnapsglas in den Bar-Spiegel geschleudert haben soll. Der Auslöser des Widerstandes gegen Polizeigewalt. Verbrieft ist auf jeden Fall ihr Kampf für die Rechte von Schwulen und Lesben.

Marsha P. Johnson - das P steht für "Pay it no mind", "ignorier es einfach". Sie beharrte auf Einzigartigkeit, auf ihrer künstlerischen Vision und ihrem Widerstand gegen den Status Quo. Und dieses Zitat von ihr: "Niemand hat dir ein Morgen versprochen“ - das fühlt sich auch heute noch so aktuell an.

Ausstellung zu Ehren Marsha P. Johnsons

„Nobody promised you tomorrow“ - niemand hat dir ein Morgen versprochen, das hat Carmen Hermo zusammen mit vier weiteren Kuratorinnen als Titel der Ausstellung gewählt. Einen Titel, für eine politische, eine kämpferische Ausstellung.

Dazu gehören etwa Ölgemälde von David Antonio Cruz. Der 1974 geborene Künstler malt farbenfrohe Porträts mit üppigen Details wie etwa einem Pelzkragen. Was so gefällig daher kommt, hat eine tief verstörende Seite: alle Frauen auf seinen Bildern sind Transgender und ermordet worden. Kuratorin Carmen Hermo verfolgt seine Arbeit seit Jahren.

"Die meisten Gemälde der Serie basieren auf Internet-Recherche. Leider ist aber auch eine seiner Freundinnen, eine Künstlerin aus Philadelphia erst dieses Jahr umgebracht worden. Dieses Gemälde ist seine Antwort darauf, eine Freundin zu verlieren."

Musikalischer Nachruf

So passiert es heute, so auch vor über 25 Jahren. Damals nämlich fand die Polizei die Leiche des Warhol-Models Marsha P. Johnson im Hudson River. Die Band "Antony and the Johnsons" hat ihr einen Nachruf gesungen.

Gleich am Beginn der relativ kleinen Ausstellung im Brooklyn Museum begrüßt die Besucher der Film "Happy Birthday, Marsha" - ein kurzes Dokudrama über den Beginn der Stonewall-Krawalle vor 50 Jahren. Ein Film von Tourmaline und Sasha Wortzel, beide Jahrgang 1983. Alle hier präsentierten 28 Künstlerinnen und Künstler sind nach 1969, nach den Stonewall-Krawallen geboren.

"Wir wollten gerne etwas tun, das die Avantgarde beleuchtet. Für Nachwuchskünstler, die noch nicht genug beachtet werden. Fast alle wohnen und leben in New York und es geht darum, wie die Erfahrungen der LGBTQ-Künstler von heute die Vergangenheit für uns beleuchten."

Die Zukunft ist noch immer unsicher

Banner, Videos, Fotos, Gemälde, Installationen - alle Darstellungsformen werden genutzt. Für eine klare Botschaft: die Zukunft, sie ist auch heute immer noch nicht versprochen.

„Wir haben immer gebrannt, wir sind immer leer ausgegangen, wir waren immer eine Insel“, singt Morgan Bassichis in einem Video von Sasha Wortzel.

Das ist zugleich ein Wortspiel mit "Fire Island" - der östlich von Manhattan gelegenen Insel, ein Traum- und Zufluchtsort. Ein Traum und eine Zuflucht ist auch die Präsidentschafts-Kandidatur des offen schwulen Pete Buttigieg. Viel habe sich seit 1969 geändert, betont Kuratorin Carmen Hermo. Und dennoch: in der Welt von heute regiert ein Präsident Trump.

"All die rückwärtsgewandte Politik, sei es gegen LGBTQ-Gruppen oder indem sie Neonazis und Frauenfeindlichkeit Auftrieb geben. Das begegnet sich im Leben unser Künstlerinnen und Künstler. Es ist noch viel zu tun, um es bis Morgen zu schaffen."

Der Beginn der schwulen Emanzipation: 50 Jahre Stonewall
Kai Clement, ARD New York
02.05.2019 23:42 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. Mai 2019 um 05:42 Uhr in der Sendung "Studio 9".

Darstellung: