Eine Pflegekraft streichelt die Hand eines Senioren. | dpa

Neues Gesetz in Spanien Abgeordnete für Legalisierung der Sterbehilfe

Stand: 17.12.2020 19:31 Uhr

Spaniens Abgeordnetenhaus hat für ein Gesetz gestimmt, das die aktive Sterbehilfe erlaubt. Die Gesellschaft könne dem unerträglichen Leid vieler Menschen nicht weiter tatenlos zusehen, sagte Gesundheitsminister Illa.

Das spanische Unterhaus hat mit großer Mehrheit für ein Sterbehilfe-Gesetz gestimmt. Für das von der linken Regierung eingebrachte Gesetz stimmten 198 Abgeordnete, darunter auch die der oppositionellen Ciudadanos-Partei sowie separatistischer Parteien Kataloniens. Mit Nein stimmten 138 Parlamentarier der konservativen Volkspartei PP und der rechtspopulistischen Vox-Partei.

Sollte auch die zweite Kammer des Parlaments, der Senat, das Gesetz passieren lassen, könnte es Anfang im März in Kraft treten. Spanien wäre dann das fünfte Land weltweit, das die aktive Sterbehilfe erlaubt - nach Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Kanada. Der begleitete Suizid ist in bestimmten Fällen in Deutschland erlaubt.

Explizite Erklärungen notwendig

Das neue Gesetz sieht vor, dass Ärzte nicht mehr länger bestraft werden können, wenn diese Sterbehilfe für unheilbare volljährige Patienten leisten. Mediziner dürfen auf expliziten Wunsch der Kranken ein Medikament verabreichen, das zum Tode führen kann.

Der Kranke muss viermal seinen Willen kundtun, sein Leben zu beenden: Die ersten zwei Bitten um Sterbehilfe müssen schriftlich und im Abstand von zwei Wochen eingereicht werden. Der Patient oder die Patientin muss dies ein drittes Mal nach Absprache mit einem Arzt bekräftigen und ein viertes Mal kurz vor dem Akt, der sein oder ihr Leben beendet.

Ärzten und Pflegern wird das Recht eingeräumt, aus Gewissensgründen nicht an Sterbehilfe teilzunehmen. Zwei Kommissionen müssen die Fälle vorab und hinterher begutachten.

80 Prozent befürworten Sterbehilfe

Auch die Begleitung zur Selbsttötung wird legalisiert: Dabei verschreibt ein Mediziner einem Patienten ein Arzneimittel, das den Tod auslösen kann. Er hilft aber nicht bei der Verabreichung.

Gesundheitsminister Salvador Illa sagte in der Debatte, als Gesellschaft könne man dem unerträglichen Leid vieler Menschen nicht weiter tatenlos zusehen. Laut Regierung sind 80 Prozent der Spanier für die Legalisierung der Sterbehilfe.

Mit Informationen von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2020 um 20:00 Uhr.