Der slowakische Staatspräsident Andrej Kiska | Bildquelle: dpa

Entführungsfall Trinh Eine "Blamage" für die Slowakei

Stand: 31.07.2018 18:08 Uhr

Welche Rolle spielte die Slowakei im Fall des aus Berlin entführten Vietnamesen Trinh und wieviel wusste die Regierung? Staatspräsident Kiska jedenfalls sieht sein Land aufs Schwerste blamiert.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Der Fall des vor rund einem Jahr aus Berlin verschleppten vietnamesischen Geschäftsmannes Trinh Xuan Thanh bringt die slowakische Regierung unter Bedrängnis. Denn für die Justiz und Polizei in Berlin steht fest, was in Bratislava bislang immer bestritten wurde: Trinh soll via Bratislava und in einem slowakischen Regierungsflugzeug ausgeflogen worden sein.

Ob slowakische Stellen aktiv beteiligt waren oder von der vietnamesischen Regierung getäuscht wurden, ist fast schon egal. Die slowakische Führung ist so oder so blamiert. Das sieht zumindest Staatspräsident Andrej Kiska so. Er hatte sich vom neuen Polizeipräsidenten Milan Lucansky über den Fall unterrichten lassen.

Verdacht besteht bereits seit Mai

Vor der Presse konnte er hinterher seinen Ärger kaum verhehlen. Der richtete sich weniger gegen die deutschen Behörden als vielmehr gegen die Verantwortlichen in der Slowakei: "Zu dem immer stärkeren Verdacht, dass das slowakische Regierungsflugzeug für die Entführung eines vietnamesischen Staatsbürgers missbraucht worden ist, fehlen mir ehrlich gesagt die Worte", sagte Kiska.

Seit Mai steht der Verdacht im Raum: Dass nämlich der in Berlin gekidnappte Trinh mit dem Auto nach Bratislava gebracht und mit einer Maschine ausgeflogen wurde, die die slowakische  Regierung auf Bitten einer vietnamesischen Delegation zur Verfügung gestellt hat. Das Auto ist vor dem Hotel gesehen worden, in dem der damalige Innenminister Robert Kalinak mit den Vietnamesen verhandelte.

Polizisten bringen den mutmaßlich entführten Vietnamesen Thanh zum Gericht in Hanoi. | Bildquelle: dpa
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In seiner Heimat wurde Trinh wegen Korruption zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

"Verschleierung, Irreführung und Ausreden"

Kalinak bestritt dennoch mehrfach, dass der entführte Geschäftsmann an Bord dieser Maschine gewesen sein könnte. Präsident Andrej Kiska glaubt das alles offenkundig nicht mehr: "Wir sind Zeugen von Verschleierung, Irreführung und Ausreden mit Verweis auf deutsche Organe. Müssen wir aber davon, was in der Slowakei geschehen ist, wirklich erst von deutschen Ermittlern erfahren?"

Vertrauen in Behörden weiter erschüttert

Kiska sieht sein Land durch die Affäre jetzt schon blamiert und die Beziehungen zu Deutschland belastet. Und das Vertrauen der slowakischen Öffentlichkeit in Polizei und Justiz - ohnehin schwer erschüttert durch den Mord an dem Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten - werde dadurch auch nicht größer.

"Als Präsident der Slowakei erwarte ich, dass die Verantwortlichen Respekt gegenüber dem Staat und Achtung gegenüber seinen Bürgern zeigen - und dass sie alles Notwendige tun, um den Fall aufzuklären und den Namen der Slowakei reinzuwaschen."

Polizeipräsident Lucansky, seit Anfang Mai im Amt, blieb nicht viel mehr, als zu versichern, dass man sein Möglichstes tue und mit den deutschen Ermittlern zusammenarbeite. Seinen Staatspräsidenten hat er damit offenkundig nicht überzeugt.

Entführung eines Vietnamesen - Slowakei in der Defensive
Peter lange, ARD Prag
31.07.2018 19:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. August 2018 um 14:38 Uhr.

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