Zwei Einsatzkräfte in grüner Schutzkleidung an der Bank, wo Skripal und seine Tochter gefunden wurden. | Bildquelle: AFP

Fall Skripal Westliche Verbündete halten zu Großbritannien

Stand: 06.09.2018 18:21 Uhr

Die westlichen Verbündeten halten im Fall Skripal zusammen. Sie sehen die Verantwortung für den Giftanschlag von Salisbury auf russischer Seite. Das dürfte die Beziehungen zu Russland weiter belasten.

Deutschland, Frankreich, Kanada und die USA haben sich hinter die jüngsten Erkenntnisse der britischen Ermittler zum Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal gestellt. In einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs der vier Staaten sowie Großbritanniens hieß es, man habe "volles Vertrauen" in die entsprechenden britischen Ermittlungsergebnisse, die auch beinhalteten, dass "diese Operation mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf hoher Regierungsebene gebilligt wurde".

Die westlichen Verbündeten fordern Russland in der Erklärung auf, sein Nowitschok-Programm gegenüber der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen "vollständig offenzulegen". Es seien bereits "gemeinsame Maßnahmen" ergriffen worden, um die Aktivitäten des russischen Militärgeheimdienstes "durch die umfangreichste kollektive Ausweisung verdeckter nachrichtendienstlicher Agenten, die je stattgefunden hat, entscheidend zu stören". Man werde weiterhin "gemeinsam die feindlichen Aktivitäten ausländischer Nachrichtendienste auf unseren Staatsgebieten" stören.

Die mutmaßlichen Täter im Porträt - ein Handout der britischen Metropolitan Police. | Bildquelle: AP
galerie

Großbritannien sucht die mutmaßlichen Täter per europäischem Haftbefehl.

Haftbefehl gegen zwei russische Verdächtige

Großbritannien hatte kurz zuvor Russlands Staatschef Wladimir Putin die Verantwortung für den Anschlag zugewiesen, bei dem Anfang März Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Salisbury durch das Nervengift Nowitschok schwer verletzt wurden und beinahe gestorben wären. Nowitschok ist in der damaligen Sowjetunion entwickelt worden.

Die britische Polizei hatte am Mittwoch zwei Russen als Tatverdächtige identifiziert. Nach ihnen wird per europäischem Haftbefehl gefahndet. Die beiden Männer seien Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes GRU und hätten höchstwahrscheinlich im Auftrag der Regierung in Moskau gehandelt, sagte Premierministerin Theresa May.

Die Erklärung könnte die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen weiter belasten. Eine ähnliche Erklärung zu vorläufigen britischen Ermittlungsergebnissen hatte im März zur Ausweisung von russischen Diplomaten aus zahlreichen westlichen Ländern geführt. Russland reagierte darauf mit der Ausweisung etwa genauso vieler Botschaftsangehöriger dieser Länder.

Russland findet Vorwürfe "inakzeptabel"

Russland wies erneut jegliche Verantwortung für den Anschlag empört zurück. Es sei "inakzeptabel", dass London nun die russische Staatsführung für die Tat verantwortlich mache, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Niemand in der russischen Führung" habe etwas mit dem Giftanschlag zu tun, versicherte er. Russland habe auch keine Gründe, gegen die beiden Männer zu ermitteln, weil Großbritannien in dem Fall nicht um Rechtshilfe gebeten habe.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums warf Großbritannien vor, Beweise zu unterschlagen. London müsse die Fingerabdrücke und andere Daten der Verdächtigen herausgeben, sagte Maria Sacharowa. Außerdem erhob sie den Vorwurf, die Aufnahmen von Sicherheitskameras, die die beiden Verdächtigen bei der Ankunft im Flughafen London Gatwick zeigen, seien gefälscht.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2018 um 06:15 Uhr.

Darstellung: