Blick auf das Tree House Condominium in Singapur (Archivbild). | Bildquelle: picture alliance / dpa

Grünes Bauen in Singapur Pflanzen und Wasser statt Beton und Stahl

Stand: 11.08.2019 11:44 Uhr

Mehr als fünf Millionen Menschen leben in Singapur - auf engstem Raum. Die Stadt gilt trotzdem als eine der grünsten Metropolen Asiens. Auch Wolkenkratzer sind dort voller Pflanzen.

Von Annika Sepeur, ARD-Studio Singapur

Was am Fuße des Parkroyal Hotels in Singapur plätschert, ist kein natürlicher Bach. Es sind zahlreiche Wasserläufe an einer der pulsierenden Kreuzungen, die Chinatown und das Geschäftsviertel verbinden. Sie markieren den Eingang in eine andere Welt: ein Hotel im Garten.

"Wir haben viele Elemente aus Bali zitiert und in diesem Garten aufgegriffen", erklärt Rebecca Ting vom Parkroyal Hotel. "Wenn man das Hotel betritt, sieht man diese Hängepflanzen. Viele unserer Gäste fragen sich, was das ist. Wir zitieren mit ihnen die Reisterrassen auf Bali."

Es ist eines der Vorzeigeprojekte für grüne Architektur in Singapur. Das Hotel wurde nachhaltig gebaut: Es gibt keine Tiefgarage, weil die ständig belüftet werden müsste und viel Strom verbrauchen würde. Die Außenwände sind begrünt, die Pflanzen sorgen dafür, dass das Gebäude so auf natürliche Weise gekühlt wird.

Der Eingang zum Parkroyal-Hotel in Singapur | Bildquelle: WALLACE WOON/EPA-EFE/REX
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Von der Natur auf Bali inspiriert: Das Parkroyal-Hotel in Singapur

Nicht nur schön, sondern auch nützlich

Klimafreundlich zu bauen bedeutet, über viele Herausforderungen nachzudenken, sagt Pearl Chee, eine der Geschäftsführerinnen des Architektur-Büros WOHA. Es hat praktisch alle imposanten grünen Bauprojekte in Singapur entwickelt:

"Eine Herausforderung ist es, sicherzustellen, dass das Grün nicht nur schön aussieht. Es muss einen Nutzen haben und es muss zugänglich sein, damit Menschen sich daran erfreuen können. Alles hängt von der frühen Planung ab, um ein Gebäude nachhaltig und sinnvoll zu begrünen."

200 Hektar Grün auf den Hochhäusern

Das tropische Klima und die begrenzte Fläche haben schon vor Jahren dafür gesorgt, dass sich die Stadtplanenden und Architekten in Singapur etwas einfallen lassen mussten. Und die Regierung verfolgt ehrgeizige Pläne: Bis 2030 sollen die Wolkenkratzer von 200 Hektar Grün überzogen sein.

Die Auflagen für Bauträger sind streng. Die Grünfläche, die durch einen Neubau am Boden verloren geht, muss an anderer Stelle des Gebäudes ersetzt werden. In Singapur entsteht gerade eine neue Generation der Wolkenkratzer, die auch Wasser und Solarenergie gewinnen können. Menschen, selbst im 50. Stockwerk, sollen sie das Gefühl vermitteln, die Natur genießen zu können, so wie in einem üblichen Park am Boden.

Hochhäuser am Bishan-Ang Mo Kio Park in Singapur | Bildquelle: WALLACE WOON/EPA-EFE/REX
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Hochhäuser am Bishan-Ang Mo Kio Park. Trotz der dichten Bebauung ist Singapur vergleichsweise grün. Grünflächen, die durch Neubauten verloren gehen, müssen am Gebäude ersetzt werden.

Gestapelte Dörfer fürs Wohlfühlen

Die Idee dahinter: Die Gebäude sollen in jedem Sinne nachhaltig werden - also den CO2-Ausstoß verringern, aber auch dafür sorgen, dass Menschen bleiben, sich in einer Gemeinschaft verbunden fühlen, nicht ständig weiterziehen. Pearl Chee sagt dazu:

"Wenn man zum Beispiel von einem 100 Meter hohen Gebäude schaut, dann werden die Menschen im Verhältnis so klein. Wie soll da eine Verbindung entstehen? Wenn man ein so hohes Gebäude aber in Segmente unterteilt, die Menschen noch überblicken können, und davon mehrere Teile aufeinanderstapelt, dann kann man erreichen, dass Menschen sich wieder so fühlen, als würden sie in einem Dorf leben. Natürlich nicht in einem Dorf im traditionellen Sinne, sondern auf neue Art und Weise: in einem gestapelten Dorf."

Die Beton- und Glaspaläste der Megacities - sie sind in dieser Vision Schnee von gestern.

Singapur: Ein Vorbild für grüne Architektur
Annika Sepeur, ARD Singapur
11.08.2019 10:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur in der "Weltzeit" am 21. Februar 2019 um 18:30 Uhr.

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