Emmanuel Macron und Olaf Scholz in einer gemeinsamen Videokonferenz | AP

Deutschland und Frankreich Schulterschluss bei Gas und Strom

Stand: 05.09.2022 20:51 Uhr

Deutschland hat Strom, den Frankreich benötigt - und Frankreich hat Gas, das Deutschland benötigt. Scholz und Macron haben sich deshalb gegenseitige Solidarität zugesichert. Die nötige Infrastruktur soll in Kürze stehen.

Deutschland und Frankreich haben sich in der Energiekrise gegenseitiger Solidarität versichert. "Deutschland braucht unser Gas, und wir brauchen den Strom, der im übrigen Europa und insbesondere in Deutschland produziert wird", sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach einer Videokonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Frankreich werde in den nächsten Wochen die notwendigen Gasverbindungen fertigstellen, um Deutschland Gas zu liefern, wenn es benötigt werde. In gleicher Weise habe sich Deutschland in Bezug auf Stromlieferungen verpflichtet.

"Diese deutsch-französische Solidarität ist die Verpflichtung, die wir mit Bundeskanzler Scholz eingegangen sind", sagte Macron. Genauere Angaben machte er zunächst nicht.

Mögliche europäische Maßnahmen im Gespräch

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Hebestreit, teilte zu der Konferenz mit, im Zentrum habe ein Austausch über die aktuelle Situation der europäischen Energieversorgung und der Energiepreise gestanden.

Neben möglichen Maßnahmen auf europäischer Ebene hätten Scholz und Macron auch über die deutsch-französische Solidarität auf dem Energiesektor gesprochen. "Präsident Macron und der Bundeskanzler informierten sich über die jeweiligen geplanten nationalen Schritte und Vorkehrungen. Der Kanzler skizzierte überdies den Inhalt des gerade verhandelten Entlastungspakets der Bundesregierung."

Viele AKW in Frankreich außer Betrieb

Mehr als die Hälfte der 56 französischen Atomkraftwerke sind derzeit wegen Instandsetzungsarbeiten sowie nach dem Auftreten von Rissen außer Betrieb. Dadurch ist Frankreichs Energieversorgung deutlich mehr in Schwierigkeiten geraten als durch ausbleibende russische Gaslieferungen, die im Energiemix keinen so großen Anteil haben. Am Großmarkt kostet die Megawattstunde derzeit 1000 Euro. Vor einem Jahr waren es noch 85 Euro. Auch die leistungsstarken Wasserkraftwerke, die in Frankreich normalerweise rund 20 Prozent des Strombedarfs decken, liefern in diesem Jahr aufgrund der Hitze und des geringen Niederschlags deutlich weniger Strom.

Dem Projekt Midcat, mit dem eine dritte Pipeline zwischen Spanien und Frankreich gebaut werden sollte, erteilte der französische Präsident eine Absage. Spanien und Deutschland hatten sich zuletzt für eine Wiederaufnahme des Pipeline-Projekts stark gemacht.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 05. September 2022 um 20:02 Uhr.