Kühltürme eines Atomkraftwerkes stehen hinter Strommasten.
Überblick

Unterschiedlicher Energie-Mix Atomenergie spaltet Europa

Stand: 02.02.2022 17:21 Uhr

Ob Atomenergie das Klima schützt, ist in der EU heftig umstritten. Während Deutschland und Belgien ihre letzten AKW abschalten, setzen Frankreich und viele osteuropäischen Länder auf die vermeintlich grüne Atomkraft.

Die heftige Debatte über die EU-Taxonomie hat gezeigt, wie gespalten Europa in der Kernenergie-Frage ist. Einige Länder lehnen die Atomkraft ab; andere Staaten, vor allem in Osteuropa, halten an dem CO2-freien Energieträger fest und wollen ihn teils sogar noch ausbauen, um die verschärften Klimaschutz-Ziele Brüssels einzuhalten. Momentan befinden sich in 14 EU-Ländern Kernkraftwerke. Polen plant als 15. Staat den Einstieg in die Atomenergie und will spätestens 2026 mit dem Bau des ersten Reaktors beginnen. Bis 2043 sollen fünf weitere Meiler folgen.

Frankreich ist wichtigster Atomenergie-Produzent

Insgesamt stehen derzeit 105 Kernkraftwerke in der EU. Gut die Hälfte davon, nämlich 57, werden in Frankreich betrieben. Die "Grande Nation" setzt wie kein anderes Land in der EU auf Atomstrom. Diese Energieform macht gut 70 Prozent der Produktion aus. Eine wichtige Rolle im Strom-Mix spielt auch die Atomenergie in der Slowakei. Dort liegt ihr Anteil bei 53 Prozent.

Auch Osteuropa setzt auf die Kernkraft

In Ungarn, Bulgarien, Slowenien und in der Tschechischen Republik ist die Kernkraft mit mehr als 30 Prozent ebenfalls ein unverzichtbarer Energieträger. Selbst in Schweden spielt die Atomenergie eine tragende Rolle neben der Wasserkraft. Rund 30 Prozent der Stromerzeugung entfallen auf die drei AKW in Ringhals, Forsmark und Oskarshamn.

Sinkender Atomstrom-Anteil in Deutschland

In Deutschland dagegen ist der Anteil der Atomenergie auf elf Prozent am Energie-Mix gefallen. Zur Jahrtausendwende lag er noch bei 30 Prozent. Die Bedeutung der Kernenergie dürfte bald weiter sinken, denn Ende des Jahres werden die letzten drei Atommeiler hierzulande abgeschaltet.

Verbrauch von Strom aus Kernenergie zuletzt gesunken

Momentan trägt die Atomenergie in der EU gut ein Viertel zur gesamten Stromproduktion bei. Dabei wird in den letzten Jahren immer weniger Strom aus Atomkraft gebraucht. Der Verbrauch der Kernenergie sank in der EU von fast 917 Terawattstunden im Jahr 2005 auf zuletzt 688 Terawattstunden.

Atomkraft deckt zehn Prozent des globalen Strombedarfs

Weltweit werden derzeit in 31 Ländern Atomreaktoren betrieben. Laut der Internationalen Energieagentur gibt es 443 Anlagen. Sie decken rund zehn Prozent der globalen Stromproduktion ab. Wichtigster Kernkraftproduzent sind die USA mit 94 Reaktoren, gefolgt von Frankreich und China.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Februar 2022 um 15:00 Uhr in den Nachrichten.