Blick auf einen Eingang des Salzburger Uniklinikums | dpa

Kliniken in Salzburg "Wir fahren gegen die Wand"

Stand: 16.11.2021 16:54 Uhr

Die Corona-Lage in Österreich wird immer angespannter. Besonders das Bundesland Salzburg ist überlastet. Mediziner fordern einen Lockdown und bereiten ein Triage-System vor.

Seit Montag gilt in Österreich ein Lockdown für Ungeimpfte. Doch reicht das im Kampf gegen die Pandemie? Vor allem im österreichischen Bundesland Salzburg ist die Lage in den Kliniken angespannt. Die Landeskliniken stellten ein sechsköpfiges Triage-Team zusammen, weil die Behandlung aller Patienten nach geltenden Standards schon bald nicht mehr garantiert werden könne. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

"Es ist eine dramatische Situation, aber noch sind wir nicht so weit", sagte der Sprecher der Salzburger Landeskliniken, Wolfgang Fürweger, zur Nachrichtenagentur Reuters. "Wir wollen aber ab diesem Zeitpunkt die Bevölkerung und die Politik vorwarnen, dass wir gegen die Wand fahren."

Inzidenz in Salzburg bei 1500

Als Reaktion auf den Hilferuf des Klinikbetreibers mit seinen vier Krankenhäusern kündigte Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer (ÖVP) Entlastungsmaßnahmen an. Unter anderem sollen manche Corona-Patienten in Zentren für medizinische Rehabilitation untergebracht werden.

Salzburg verzeichnet derzeit mit mehr als 1500 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern die höchste Sieben-Tage-Inzidenz unter den österreichischen Bundesländern. Knapp dahinter folgt Oberösterreich mit einem Wert von mehr als 1400.

Österreichs Bundeskanzler Schallenberg bei einer Pressekonferenz. | dpa

Zu spät reagiert? Österreichs Bundeskanzler Schallenberg steht in der Kritik. Bild: dpa

Kommt ein "genereller Lockdown"?

Als "sehr, sehr angespannt" und "besonders schlimm" bezeichnete Walter Hasibeder, Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), die Lage auf den Intensivstationen in einzelnen Bundesländern. Er forderte für Oberösterreich und Salzburg kurzzeitig einen "generellen Lockdown". Besonders Salzburg sei belastet.

Die konservativ-grüne Bundesregierung steht zunehmend in der Kritik, zu spät auf die vierte Corona-Welle reagiert zu haben. Mediziner warnen seit Wochen vor einer Überlastung der Intensivstationen. Seit Montag gilt ein landesweiter Lockdown für Ungeimpfte. Experten befürchten aber, dass dies nicht ausreicht und fordern einen Lockdown für alle.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2021 um 23:35 Uhr.