Ali Abdullah Saleh bei einer Pressekonferenz in Sanaa | Bildquelle: dpa

Bürgerkrieg im Jemen Huthis töten Ex-Präsident Saleh

Stand: 04.12.2017 15:15 Uhr

Erst am Wochenende hatte sich der jemenitische Ex-Präsident Saleh von den Huthi-Rebellen losgesagt - jetzt haben ihn die Aufständischen getötet. Die Kämpfe um die Hauptstadt Sanaa werden unterdessen immer heftiger.

Der frühere jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh ist von Huthi-Rebellen getötet worden. Das teilten die schiitischen Rebellen mit. Er sei bei einem Straßen-Hinterhalt nahe der Hauptstadt Sanaa ums Leben gekommen. Die Huthis verbreiteten Bilder, die angeblich seine Leiche zeigen.

Der Anführer der Rebellen, Abdel Malik al-Huthi, erklärte in einer TV-Ansprache, es sei eine "große Verschwörung" zwischen Saleh und dem von Saudi-Arabien geführten Militärbündnis zum Scheitern gebracht worden.

Auch Salehs Partei bestätigte seinen Tod. Eine führende Vertreterin der Partei sagte der Nachrichtenagentur AFP, Saleh sei "als Märtyrer bei der Verteidigung der Republik gefallen". Er habe versucht, aus Sanaa zu fliehen.

Huthis feiern den Tod des Ex-Präsidenten Saleh | Bildquelle: REUTERS
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Huthi-Kämpfer bejubeln in Sanaa Salehs gewaltsamen Tod.

Bündnis mit Huthi nach Jahren gekündigt

Der 75 Jahre alte Saleh und seine Anhänger hatten in den vergangenen Jahren an der Seite der Huthi-Rebellen gegen die international anerkannte Regierung gekämpft. Sie kontrollierten zusammen große Teile des Bürgerkriegslandes auf der Arabischen Halbinsel, darunter die Hauptstadt Sanaa.

Am Wochenende hatte sich Saleh jedoch von den Huthis losgesagt. In einer Fernsehansprache verkündete er den Schulterschluss mit dem bisherigen Erzfeind Saudi-Arabien. "Wir wollen mit ihnen ein neues Kapitel aufschlagen und positiv zusammenarbeiten", sagte er. "Es muss Schluss sein mit dem, was im Jemen geschieht."

Seit Jahren Bürgerkrieg

Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz kämpft seit fast drei Jahren im Jemen gegen die vom Iran unterstützten Huthis, um Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi wieder ins Amt zu bringen. Trotz der Hilfe auch von den USA und anderen westlichen Staaten hat die Koalition kaum Geländegewinne erzielt. Die Auseinandersetzung gilt als Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die beide um die Vorherrschaft in der Region kämpfen.

Saleh hatte das arabische Land mehr als drei Jahrzehnte regiert. 2012 wurde er gestürzt. Weite Teile der Armee blieben dem schwerreichen ehemaligen Staatschef jedoch treu ergeben.

Ohne diese Kämpfer hätten die Huthis den Jemen 2014 nicht überrennen und sie von den Regierungstruppen Hadis erobern können. Dieser musste ins Exil nach Riad flüchten.

Karte: Jemen, Saudi-Arabien und Iran
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Der Bürgerkrieg im Jemen betrifft die gesamte Region. Saudi-Arabien und Iran unterstützen die verfeindeten Kämpfer und liefern sich in dem Land einen Stellvetreterkrieg.

20 Millionen Menschen brauchen Hilfe

Nicht zuletzt die Militärintervention hat im Jemen eine der weltweit schlimmsten humanitären Katastrophen verursacht. Mehr als 20 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, weil Wasser und Nahrung fehlen. Im Land grassiert eine Cholera-Epidemie. Wegen einer Blockade durch das saudisch geführte Bündnis kommt jedoch zu wenig Hilfe ins Land.

Heftige Kämpfe um Sanaa

Derweil werden die Kämpfe in der Hauptstadt Sanaa nach Angaben von Helfern immer heftiger. In den vergangenen sechs Tagen seien 125 Tote und 238 Verletzte gezählt worden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mit.

Der für den Jemen zuständige UN-Nothilfekoordinator Jamie McGoldrick beklagte, die Straßen von Sanaa seien zum Schlachtfeld geworden. Helfer säßen fest. Er forderte eine sechsstündige Feuerpause am Dienstag, damit sich Zivilisten in Sicherheit bringen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ihre Arbeit fortsetzen können.

Portrait über Ali Abdallah Saleh
Anna Osius, ARD Kairo
04.12.2017 17:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2017 um 14:00 Uhr.

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