Wähler in einem Wahllokal in Moskau | Bildquelle: dpa

Regionalwahlen in Russland Überraschungen nicht ausgeschlossen

Stand: 08.09.2019 18:58 Uhr

Die Beteiligung an den Regionalwahlen in Russland war zunächst verhalten. Doch vielen war die Stimmabgabe wichtig. Die Opposition hatte zur Protestabstimmung aufgerufen.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Mit beschwingter Musik empfangen freundlich lächelnde Wahlhelfer die Stimmberechtigten im Moskauer Wahllokal 2566. Es gibt viel Zeit für ausgiebige Schwätzchen. Denn wie in den meisten Wahllokalen der Stadt beginnt der Wahltag auch hier schleppend.

Einer, der es sich nicht nehmen lassen will, seine Stimme abzugeben, ist der 81-jährige Wladimir. Wenn man wählen könne und dürfe, müsse man die Gelegenheit auch nutzen, sagte er. "Selbst wenn wir betrogen werden - wir sollten uns beteiligen." Auch der 36-jährigen Walentina ist die Wahl wichtig. "Wegen der letzten Ereignisse, wegen der Proteste wollte ich heute Position beziehen", sagte sie.

Regionalwahlen in Russland: Regierungspartei fährt Stimmverluste ein
tagesthemen 22:45 Uhr, 08.09.2019, Ina Ruck, ARD Moskau

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Nur ein einziger Oppositionskandidat in Moskau

Auf Menschen wie Walentina hofft die Opposition. Diese hatte zur Protestwahl aufgerufen, weil in Moskau nur ein einziger Oppositionskandidat zur Wahl zum Stadtparlament zugelassen wurde. Jede Stimme zähle, sagte Putin-Kritiker Alexej Nawalny. Vor allem jene, die sich gegen die Kandidaten der Regierungspartei Geeintes Russland richte. Die Partei gilt als Machtbasis des Kreml.

"Jeden Verlust eines Sitzes der Vertretung von Geeintes Russland werden wir als Erfolg betrachten", so Nawalny. "Letztes Mal hat Geeintes Russland 40 der 45 Sitze errungen. Wenn sie jetzt etwas weniger bekommen, ist das schon gut."

Die russische Oppositionspolitikerin Ljubow Sobol | Bildquelle: dpa
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Die russische Oppositionspolitikerin Ljubow Sobol: "Man muss abstimmen - und zwar klug und rational."

"Kein Sprint, sondern ein Marathon"

Auch die Antikorruptionskämpferin Ljubow Sobol rief ihre Anhänger noch einmal auf, zur Wahl zu gehen - auch wenn ihr Name so wie die von so vielen anderen Oppositionskandidaten nicht auf der Liste stünden.

Natürlich müsse man wählen gehen. "Man muss abstimmen - und zwar klug und rational", so Sobol. "Das hier ist kein Sprint, sondern ein Marathon." Es sei klar, "dass wir nach der heutigen Protestabstimmung nicht morgen in einem schönen Land aufwachen". Aber es sei eine wichtige Etappe im politischen Kampf für die Rechte der Bürger.

Putin: "Ich hoffe, wir haben würdige Kandidaten"

Trotz aller Appelle - auch von Seiten der Behörden und anderer Parteien - hält sich das Interesse an der Wahl zum Moskauer Stadtparlament aber bei der Mehrheit der Wahlberechtigten in Grenzen. Am Nachmittag hatten gerade einmal etwas mehr als zwölf Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben.

Unter ihnen war auch Russlands Präsident Wladimir Putin. Er wurde gefragt, ob nicht auch er sich mehr Vielfalt bei den Kandidaten wünsche. "In einigen Ländern kann man zwischen 30, 50, 100 Kandidaten wählen", sagte er. "Wichtig ist nicht, wie viele Kandidaten antreten, sondern ihre Qualität. Ich hoffe, wir haben würdige Kandidaten."

Russlands Präsident Wladimir Putin gibt seine Stimme in einem Moskauer Wahllokal ab. | Bildquelle: ALEXEY NIKOLSKY/SPUTNIK/KREMLIN
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Russlands Präsident Wladimir Putin: "Wichtig ist nicht, wie viele Kandidaten antreten, sondern ihre Qualität."

Gab es Manipulationsversuche?

Gewählt wurde im ganzen Land. In 16 Regionen ging es um die Besetzung der Gouverneursposten. Dazu kamen Regional- und Kommunalwahlen. Unabhängige Wahlbeobachter machten Manipulationsversuche aus.

Die Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, zeigte sich aber mit dem bisherigen Verlauf des Wahltags zufrieden. "Wir haben unser Bestes getan, damit der zentrale Wahltag anständig verläuft und keiner unserer Wähler sich behindert fühlt", sagte sie.

Insgesamt waren 56 Millionen Wähler zur Stimmabgabe aufgerufen. Die letzten Wahllokale schließen um 20 Uhr deutscher Zeit. Mit ersten aussagekräftigen Ergebnissen wird morgen gerechnet. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

Wahlen in Russland - Interesse in Moskau eher gering
Christina Nagel, ARD Moskau
08.09.2019 17:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. September 2019 um 17:15 Uhr.

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