Boris Johnson verlässt seinen Amtssitz in der Downing Street. | dpa

Medienberichte Lockdown-Partys vor Beisetzung von Prinz Philip

Stand: 14.01.2022 11:32 Uhr

Der Druck auf den britischen Premier Johnson wächst: Am Tag vor der Beisetzung von Prinz Philip sollen seine Mitarbeiter im Amtssitz zwei Lockdown-Partys gefeiert haben - trotz strenger Corona-Regeln. Die Opposition fordert Konsequenzen.

Der wegen einer Reihe von Skandalen angeschlagene britische Premierminister Boris Johnson gerät weiter unter Druck. Trotz geltender Kontakteinschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie wurden einem Bericht des "Daily Telegraph" zufolge am 16. April 2021 zwei weitere Partys in seinem Amtssitz in der Downing Street gefeiert - am Vorabend der Beisetzung von Prinz Philip, dem Ehemann von Königin Elizabeth.

Dem "Telegraph" zufolge soll es bei den Feiern mit insgesamt etwa 30 Personen ausgelassen zugegangen sein. Mitarbeiter sollen in einem nahe gelegenen Supermarkt größere Mengen Alkohol gekauft haben, Musik sei über ein Laptop abgespielt worden und eine Schaukel von Johnsons Sohn zu Bruch gegangen. Johnson befand sich laut dem Bericht zum Zeitpunkt der Partys auf dem Landsitz Chequers.

Besonders prekär ist zudem, dass die Nation mit Königin Elizabeth II. um deren Gemahl trauerte, der im Alter von 99 Jahren gestorben war. Am Tag nach den Partys in der Downing Street nahm die Queen in der St George's Chapel Abschied von ihrem Mann, mit dem sie 73 Jahre lang verheiratet gewesen war. Wegen der damals geltenden strengen Corona-Beschränkungen saß sie alleine in einer Bankreihe der Kirche. Das Foto der einsamen Queen war einer der prägendsten Eindrücke in der Pandemie.

Königin Elizabeth II. | AP

Nach 73 Jahren Ehe musste Queen Elizabeth II. sich von ihrem Mann verabschieden - wegen der Pandemie mit viel Abstand zu ihrer Familie. Bild: AP

"Während sie trauerte, feierte No. 10", sagte der Chef der Liberaldemokraten, Ed Davey. Auch wenn Johnson selbst nicht an den Partys teilnahm und auch nicht in der Downing Street anwesend war, wird er für das Verhalten seiner Beschäftigten verantwortlich gemacht.

Kein Dementi aus der Downing Street

Downing Street dementierte die Partys nicht, wie auch die BBC berichtete. Johnson, der wegen einer Reihe von Skandalen ohnehin angeschlagen ist, hatte sich zuletzt im Parlament für seine Teilnahme an einer Gartenparty entschuldigt, die es im Mai 2020 inmitten des ersten Corona-Lockdowns gegeben hatte.

Der Premier entschuldigte sich für den Eindruck, dass diejenigen, die die Corona-Regeln machten, sich nicht daran hielten. Er räumte ein, dass er am 20. Mai 2020 für 25 Minuten im Garten anwesend gewesen sei. Seinem Eindruck zufolge habe es sich um ein Arbeitstreffen gehandelt. Rückblickend habe er damit falsch gelegen, sagte Johnson. Er forderte aber, das Ergebnis einer laufenden internen Untersuchung abzuwarten, bevor Konsequenzen gezogen werden.

Opposition fordert Rücktritt des Premiers

Die Opposition gibt sich damit nicht zufrieden. Sie fordert Johnsons Rücktritt. "Ich habe keine Worte für die Kultur und das Verhalten in No. 10", sagte die Vizechefin der größten Oppositionspartei Labour, Angela Rayner. Der Fisch stinke vom Kopf.

Der Chef der Konservativen Partei in Schottland, Douglas Ross, stellte sich offen gegen Johnson und forderte wie vier andere Tory-Abgeordnete dessen Rücktritt. Die Labour-Abgeordnete Lisa Nandy sagte der BBC, Johnsons Haltung sei untragbar. Bei Hinterbliebenen von Corona-Toten, die sich nicht verabschieden konnten von ihren Angehörigen, habe Johnsons Teilnahme an der Party Entsetzen und Abscheu ausgelöst.

Sicherheitsstaatssekretär Damian Hinds sagte dem Sender Sky News, die neuerlichen Berichte hätten ihn schockiert. "Das war eine besonders düstere Zeit für unser ganzes Land."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2022 um 09:00 Uhr.