Chinesische Marinesoldaten

Indo-Pazifik Raum Ein Gegengewicht zu China schaffen

Stand: 12.03.2021 16:02 Uhr

Die USA wollen ihren Einfluss im Indo-Pazifik-Raum stärken, um ein Gegengewicht zu China zu schaffen. Ihr Forum dafür ist die sogenannte Quad-Gruppe: Ein Zusammenschluss mit Indien, Australien und Japan. Heute tagt die Runde digital.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Beim virtuellen Gipfeltreffen der sogenannten Quad-Gruppe will die Regierung in Delhi unter anderem das Thema maritime Sicherheit im Indischen Ozean zur Sprache bringen. Dabei geht es um die zunehmende Präsenz chinesischer Kriegsschiffe in den Gewässern zwischen dem Horn von Afrika auf der einen Seite und der Andamanen-See auf der anderen Seite des indischen Subkontinents.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Es befänden sich ständig sechs bis acht chinesische Kriegsschiffe im Indischen Ozean, so Admiral Sunil Lanba, der frühere Stabschef der indischen Navy, bei einer im Internet verbreiteten Diskussionsrunde des Instituts für Chinesische Studien in Delhi, im Oktober vergangenen Jahres. "Davon drei im Rahmen eines Einsatzes gegen Piraten, unter anderem vor dem Horn von Afrika und drei oder vier auf Erkundungsfahrten, zur Spionage in der Andamanen-See oder im Rahmen von Vermessungen am Meeresboden." Manchmal seien es noch mehr.

Chinas Marine erweitert Radius

Die Gründe für Chinas wachsende Präsenz im Indischen Ozean seien vielfältig, so die Einschätzung der China-Expertin Oriana Mastro, vom American Enterprise Institute, einem US-Think Tank in Washington. Unter Xi Jinping habe China seine maritimen Ambitionen über das Südchinesische Meer hinaus ausgeweitet, so Mastro in einer im Internet publizierten Anhörung im US-Repräsentantenhaus im Juni vergangenen Jahres.

"In einem Weißbuch im Jahr 2019 hat China erstmals von der Transformation seiner Seestreitkräfte gesprochen, von einer Marine, zur Verteidigung der sogenannten nahen Gewässer, hin zu einer Marine zum Schutz der fernen Gewässer." Dem Schutz der maritimen Interessen werde damit der gleiche Stellenwert beigemessen wie der territorialen Integrität des Landes, sagte Mastro.

Chinas Militär-Strategie, die von der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlicht wurde, umfasst unter anderem das Konzept der "aktiven Verteidigung". Die Streitkräfte werden demnach in den Dienst der strategischen Ziele des Staates gestellt, mit einer weit gefassten Interpretation, was nationale Sicherheit bedeutet.

Offen ausgesprochen hat Chinas Staatsführung die neue Marine-Strategie erstmals im Frühjahr 2018. Auf dem Deck der Liaoning, dem ersten von inzwischen zwei chinesischen Flugzeugträgern, verkündete Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping im April: "Der Aufbau einer starken Marine ist seit Generationen der sehnlichste Wunsch der chinesischen Nation. Wir dürfen nicht nachlassen, die Marine der Volksbefreiungsarmee auf Weltklasse-Niveau zu bringen."

Marine kontrolliert Handelsrouten

China ist heute mehr als noch vor 20 Jahren von Ölimporten aus den Golfstaaten angewiesen. Die Routen der Öltanker für den Rohöl-Bedarf der wachsenden chinesischen Wirtschaft verlaufen durch zahlreiche Seegebiete: vom Persischen Golf über das Arabische Meer bis zur Südspitze Indiens, vorbei an Sri Lanka und weiter durch den Golf von Bengalen, entlang der zu Indien gehörenden Inselgruppe der Andamanen, über die Straße von Malakka nach Singapur, von wo aus es ins Südchinesische Meer geht, bis hinauf zum chinesischen Festland.

Die Sicherheit chinesischer Öltanker und Containerschiffe entlang dieser für Chinas Wirtschaft lebensnotwendigen Schifffahrtsroute, steht im Mittelpunkt der chinesischen Aktivitäten im Indischen Ozean. Doch die Volksrepublik China, die seit Jahren als politischer und wirtschaftlicher Machtfaktor und militärisches Gegengewicht zur globalen Supermacht USA an die Spitze strebt, wird nicht nur von Indien, sondern auch von vielen Ländern der westlichen Welt mit Argwohn beäugt.

Das transatlantische Bündnis müsse darauf reagieren, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der virtuellen Münchner Sicherheitskonferenz am 19. Februar: "China ist auf der einen Seite systemischer Wettbewerber, auf der anderen Seite brauchen wir China für die Lösung globaler Probleme, wie Klimaschutz und Artenvielfalt." China habe in den vergangenen Jahren auch an globaler Schlagkraft gewonnen. "Dem müssen wir als transatlantisches Bündnis und als Demokratien der Welt etwas an Taten entgegensetzen", so Merkel.

Im Oktober vergangenen Jahres hielten die Quad-Staaten das alljährliche gemeinsames See-Manöver im Indischen Ozean ab, erstmals unter Beteiligung der australischen Navy. Die sogenannte Malabar-Exercise wurde 1992 ins Leben gerufen, als gemeinsame Übung zwischen Indien und den USA. Seit 2015 ist Japan mit dabei und jetzt auch Australien.

Indo-Pazifischer Wirtschaftsraum

Indien gehört zu den größten Unterstützern der Idee des Indo-Pazifiks, der sich auch Deutschland angeschlossen hat. Ein wirtschaftliches und politisches Bündnis der Anrainerstaaten des Indischen Ozeans, zusammen mit den südost- und ostasiatischen Staaten, bis über den Pazifischen Ozean hinweg nach Amerika.

Im indo-pazifischen Raum werde die internationale Ordnung von morgen entschieden, heißt es in den Leitlinien der Bundesregierung zum Indo-Pazifik. Deutschland wolle seinen geopolitischen Einfluss ausbauen und diese Ordnung mitgestalten, damit sie auf Regeln und internationaler Kooperation basiert und nicht auf dem Recht des Stärkeren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2021 um 18:40 Uhr.