Der russische Präsident Putin. | Bildquelle: REUTERS

Russland Putin fordert Wikipedia-Alternative

Stand: 05.11.2019 22:10 Uhr

Russland will mehr Souveränität im Netz: Präsident Putin schlägt vor, ein russisches Online-Lexikon zu schaffen - wenige Tage nach dem Inkrafttreten eines umstrittenen Internetgesetzes.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Schaffung einer russischen Alternative zum Online-Lexikon Wikipedia gefordert. Es sei besser, Wikipedia durch eine neue, große russische Enzyklopädie zu ersetzen, sagte der Kremlchef. "Das werden dann verlässliche Informationen sein - präsentiert in einer guten, modernen Form." Die Regierung will dafür den Angaben nach bis 2022 umgerechnet 24 Millionen Euro bereitstellen.

Neues Gesetz soll das Netz abschotten

Erst in der vergangenen Woche war ein umstrittenes Gesetz in Kraft getreten, das eine zentrale Kontrolle des Datenverkehrs ermöglichen und ein "souveränes", von ausländischen Servern unabhängiges Internet schaffen soll.

Die Regierung will dadurch nach eigenen Angaben gewährleisten, bei möglichen Cyberangriffen oder sonstigen Gefahren ein autonomes Internet zu haben. Kritiker sehen darin einen Vorwand für eine Ausweitung der politischen Kontrolle in Russland.

Zugriff der Behörden

Internet-Provider müssen eine Technik installieren, die den staatlichen Behörden Zugriff auf ihre Kanäle ermöglicht. Dadurch sollen Inhalte leichter blockiert werden können. Außerdem könnten Teile des Internets - zum Beispiel im Fall eines Hackerangriffs - komplett vom Netz genommen werden.

Bisher war das Internet einer der wenigen Freiräume in Russland, in denen die Opposition oder Regierungskritiker ihre Meinung verbreiten konnten. Nach Angaben von Wikipedia ist die russischsprachige Version des Online-Lexikons eine der meistgelesenen Sprachausgaben.    

Wladimir Putin fordert russisches Wikipedia für "verlässliche Informationen"
Sabine Stöhr, ARD Moskau
06.11.2019 14:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2019 um 06:00 Uhr.

Darstellung: