Proteste während der Präsidentenwahl in Algerien | Bildquelle: MOHAMED MESSARA/EPA-EFE/REX

Präsidentenwahl in Algerien Fünf Kandidaten - alle verhasst

Stand: 12.12.2019 16:51 Uhr

Zur Präsidentschaftswahl in Algerien sind Tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen die Regierung und die Machtelite zu demonstrieren. Sie glauben nicht an echte Reformen.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Der Auftakt der algerischen Präsidentschaftswahlen wird von Massendemonstrationen und zahlreichen Verhaftungen begleitet. Seit 8 Uhr sind die Wahllokale geöffnet. 24 Millionen Wähler sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Beobachter rechnen aber mit einer schwachen Wahlbeteiligung.

Proteste während der Präsidentenwahl in Algerien | Bildquelle: AFP
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In der Hauptstadt Algier protestierten viele Menschen gegen die Wahl.

Schon in der Nacht kam es landesweit zu Massendemonstrationen. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP sollen in der Hauptstadt Algier vereinzelt junge Menschen versucht haben, das Öffnen einiger Wahllokale zu verhindern. In der Kabylei, im Osten des Landes, sollen Wahllokale verwüstet worden sein. Vertreter der sogenannten Hirak-Protestbewegung sprechen von hunderten Verhaftungen. Die Demonstranten der Protestbewegung boykottieren die Wahl. Sie werfen den Präsidentschaftskandidaten vor, Teil des alten Systems zu sein.

Schwierige Wahlen

Im Juni schon hätte eigentlich der langjährige, schwer kranke Präsident Abdelaziz Bouteflika für eine fünfte Amtszeit gewählt werden sollen. Monatelange Proteste zwangen ihn stattdessen zum Rücktritt. Dann sollte Übergangspräsident Abdelkader Bensalah neue Wahlen organisieren - laut Verfassung eigentlich innerhalb von 90 Tagen. Wegen fehlender Kandidaten wurde die Wahl aber verschoben.

Nur Kandidaten aus dem alten Regime

Proteste während der Präsidentenwahl in Algerien | Bildquelle: AFP
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Insbesondere junge Menschen glauben nicht an einen echten Wandel.

Mit dem neuen Wahltermin waren viele Algerier nicht zufrieden. Damit wolle das Regime nur nach außen auszudrücken: Trotz der Proteste - in Algerien läuft alles normal weiter. Das zeigt sich auch an der Liste der viel kritisierten Kandidaten: Die fünf Anwärter für das Präsidentenamt gelten als Vertraute des ehemaligen Machtinhabers Bouteflika.

Unter ihnen sind ehemalige Ministerpräsidenten, Kultur- und Tourismusminister sowie langjährige Parteigenossen. Viele Bürger haben angekündigt, die Wahlen deshalb zu boykottieren - auch, weil sie fest damit rechnen, dass die Wahlergebnisse von den Machthabern manipuliert werden.

Algerien gilt dank seiner Öl- und Gasvorkommen als eines der reicheren Länder der Region. Trotzdem sind viele Menschen arbeitslos. Gerade unter jungen Algeriern ist jeder dritte ohne Job. Korruption ist an der Tagesordnung.

Präsidentschaftswahl: Verhaftungen und Demonstration in Algerien
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
12.12.2019 15:56 Uhr

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Fünf Kandidaten für Algeriens Präsidentschaftswahl - alle verhasst
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
12.12.2019 16:53 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 12. Dezember 2019 Deutschlandfunk um 05:45 Uhr sowie um 07:43 Uhr und Inforadio um 11:33 Uhr.

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