Demonstration für den israelischen Spion Jonathan Pollard. | dpa

Nach 30 Jahren Haft USA entlassen israelischen Spion Pollard

Stand: 28.07.2015 20:59 Uhr

In Israel gilt er als Nationalheld, in den USA als Verräter: Nach 30 Jahren Haft kommt der Spion Jonathan Pollard frei. Kommen die USA damit womöglich Israel nach dem Atomabkommen mit dem Iran entgegen? Die US-Seite weist das zurück.

Nach 30 Jahren Haft in den USA kommt der israelische Spion Jonathan Pollard Ende des Jahres frei. Wie seine Anwälte erklärten, wird ihr Mandant begnadigt und die Haftstrafe am 21. November zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Entscheidung der Bewährungskommission sei einstimmig gefallen. "Wir sind dankbar und erfreut", hieß es von Seiten der Anwälte.

Zugleich widersprachen sie Spekulationen, die Freilassung könnte ein politisches Zugeständnis der USA an Israel sein, um die Spannungen wegen des Atomabkommens mit dem Iran abzubauen. Die Entscheidung der Kommission sei unabhängig von anderen US-Regierungsstellen gefallen. Und sie sei nicht an die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten geknüpft. Auch US-Außenminister John Kerry hatte in einer Aussage vor dem Kongress erklärt, die Begnadigung habe nichts mit der Atomvereinbarung zu tun.

Der israelische Spion Jonathan Pollard.

Ein Bild des israelischen Spions Jonathan Pollard aus dem Jahre 1991 - sechs Jahre nach seiner Verhaftung.

Die Beziehungen zwischen den USA und Israel werden durch die Affäre um Pollard bis heute belastet. Der in den USA geborene Pollard hatte beim Geheimdienst der US-Kriegsmarine als ziviler Angestellter Zugang zu brisanten Unterlagen. Von Mai 1984 bis zu seiner Verhaftung im November 1985 übergab er dem israelischen Geheimdienstdienst Mossad viele tausend Dokumente. Sie gaben Aufschluss über US-Spionageerkenntnisse im arabischen Raum. Im Jahr 1987 wurde dafür er zu lebenslanger Haft verurteilt.

In Israel, dessen Staatsbürgerschaft er 1996 erhielt, genießt er den Status eines Nationalhelden. Am Sonntag hatte die israelische Justizministerin Ajelet Schaked sich bereits für eine Begnadigung Pollards eingesetzt, weil dieser sich während der Haft nichts habe zuschulden kommen lassen und keine Gefahr darstelle.

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KOMMENTARE

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meinungsquirl 29.07.2015 • 00:57 Uhr

@22:53 von Sasquatch

"Es ist das alte Spiel: Jedes Land spioniert in allen anderen Ländern. Wer dumm genug ist, sich erwischen zu lassen wird verhaftet und ausgetauscht, sobald die andere Seite jemanden erwischt." Umso mehr riecht die ganze Sache nach einem riesigen Skandal: offensichtlich hat Israel in 30 Jahren keinen einzigen US-Spion hochnehmen können, um den Austausch zu vollziehen. Soll das etwa heißen, dass die USA nicht in Israel spionieren? Spionage durch die USA ist doch derart verbreitet, die müsste doch glatt als Menschenrecht durchgehen. Oder anders formuliert: nicht spionieren wäre unmenschlich, denn die Spione die man einsperrt müssen dann die ganze Strafe absitzen statt nur ein paar Jahre.