Eine Demonstrantin nimmt am «Marsch der schweigenden Frauenen» teil und trägt ein Banner mit der Aufschrift "Girls just wanna have fundamental human rights" | Bildquelle: dpa

Nach Urteil in Polen Erneut Proteste gegen Abtreibungsverbot

Stand: 24.10.2020 11:51 Uhr

In Polen haben am Freitagabend erneut Tausende gegen die Verschärfung des Abtreibungsverbots demonstriert. Auch aus dem Europarat kommt Kritik: Das entsprechende Urteil würde de facto fast sämtliche Abtreibungen verbieten.

Tausende Polen sind nach dem umstrittenen Urteil des Verfassungsgerichts zur Verschärfung des Abtreibungsrechts auf die Straße gegangen. In mehreren Städten des Landes demonstrierten empörte Bürger am Freitagabend gegen das nahezu völlige Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. "Das bedeutet Krieg" und "Sadisten, wir kommen euch holen", skandierten die Protestierenden. Schon am Donnerstagabend hatte es Proteste gegen die Entscheidung gegeben.

Das polnische Verfassungsgericht hatte am Donnerstag entschieden, dass selbst Schwangerschaftsabbrüche aufgrund schwerer Fehlbildungen des ungeborenen Kindes gegen das in der Verfassung garantierte Recht auf Leben verstießen - und somit verboten sind. Polen hatte bereits eines der striktesten Abtreibungsrechte Europas; die neue Entscheidung bring das Land nah an ein generelles Abtreibungsverbot.

Frauenrechtlerinnen kritisieren Urteil

Das Urteil des Verfassungsgerichts wurde unter anderem von der Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, scharf kritisiert. Und auch aus Polen kommt scharfer Protest: "Die Entscheidung bedeutet ein totales Abtreibungsverbot in Polen, weil 98 Prozent der legalen Abtreibungen in Polen Missbildungen des Fötus betreffen", sagte Krystyna Kacpura, Leiterin des Verbands für Frauen und Familienplanung.

Insbesondere Frauen mit begrenzten Mitteln könnten nun gezwungen sein, auf gefährliche, illegale Abtreibungsmethoden zurückzugreifen, warnte sie.

Demonstranten nehmen am «Marsch der schweigenden Frauen» teil, um gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes zu protestieren | Bildquelle: dpa
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Viele Polen sind verärgert über das Gerichtsurteil.

PiS verfolgt extrem konservative Agenda

Die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) setzt sich seit Jahren für eine Verschärfung des Abtreibungsrechts in Polen ein. Sie will, dass Schwangerschaftsabbrüche nur noch dann möglich sind, wenn das Leben der Schwangeren unmittelbar bedroht ist oder sie in Folge einer Vergewaltigung oder durch Inzest schwanger geworden sind.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Oktober 2020 um 10:00 Uhr.

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