Auf Limas Straßen lieferten sich Demonstranten und Polizei schwere Zusammenstöße | Bildquelle: Aldair Mejia/EPA-EFE/Shutterstoc

Staatskrise in Peru Drei Menschen sterben bei Protesten

Stand: 15.11.2020 12:05 Uhr

In Peru sind die Demonstrationen gegen die Absetzung von Präsident Vizcarra eskaliert: In der Hauptstadt Lima starben drei Menschen. Als Reaktion reichten drei Minister ihren Rücktritt ein.

In Peru sind bei Protesten gegen die Absetzung von Ex-Präsident Martín Vizcarra mindestens drei Demonstranten getötet worden. Tausende Menschen waren am Samstag in mehreren Städten des Landes auf die Straße gegangen, um gegen Übergangspräsident Manuel Merino zu protestieren. In der Hauptstadt Lima wurden nach Angaben der Behörden und der katholischen Kirche drei Demonstranten getötet.

Das Büro eines peruanischen Ombudsmanns gab den Tod eines 25-jährigen Demonstranten bekannt, dessen Leiche mit Kopfverletzungen durch Schrotkugeln in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Limas Erzbischof Carlos Castillo sagte im Fernsehen, es habe insgesamt drei Tote gegeben. Mindestens 13 weitere Demonstranten wurden nach Angaben des Ombudsmanns verletzt.

Inzwischen haben mehrere Minister die Übergangsregierung wieder verlassen. Nach übereinstimmenden Medienberichten legten der Innenminister, die Justizministerin und der Gesundheitsminister ihre Ämter nieder. Präsident Manuel Merino traf sich mit seinem Kabinett.

Korruptionsvorwürfe gegen Vizcarra

Die Polizei setzte am Samstagabend erneut Tränengas gegen die Demonstranten ein, um sie daran zu hindern, zum Parlamentsgebäude zu ziehen. Auf einem Platz, der zum Zentrum der Proteste geworden ist, ließ die Stadtverwaltung die Straßenlaternen ausschalten, um die Demonstranten zu vertreiben.

Das Parlament hatte den 57-jährigen Vizcarra am Montag nach zweieinhalbjähriger Amtszeit wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt. Vizcarra weist die Vorwürfe zurück. Seit Dienstag gehen in Peru vor allem junge Leute auf die Straße, um gegen seine Entmachtung zu protestieren. Dabei gab es bereits mehrere Verletzte.

Drei Staatschefs in vier Jahren

Parlamentspräsident Merino von der Mitte-Rechts-Partei Acción Popular hat das höchste Staatsamt kommissarisch übernommen. Er ist bereits der dritte Präsident des Andenstaates seit 2016. Die nächsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sollen planmäßig im April 2021 stattfinden.

Peru – Tote bei Demonstrationen gegen neue Regierung – Minister treten zurück
Ivo Marusczykm ARD Buenos Aires
15.11.2020 12:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2020 um 09:00 Uhr.

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