Keiko Fujimori

Präsidentenwahl in Peru Keiko Fujimori - Zukunft oder grausame Vergangenheit?

Stand: 11.04.2016 11:58 Uhr

Ihr Vater hat Peru in den 1990er-Jahren mit harter Hand regiert und sitzt im Gefängnis. Jetzt liegt seine Tochter Keiko Fujimori im ersten Durchgang der Präsidentenwahl vorn - für die einen ist sie die Zukunft, für die anderen grausame Vergangenheit.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Buenos Aires

"Man spürt es, man spürt es: Keiko wird Präsidentin", singen ihre Anhänger. Schon bevor die ersten offiziellen Hochrechnungen bekannt gegeben werden, tritt Keiko Fujimori siegessicher vor die fahnenschwingende und jubelnde Menge. "Die für uns gewählt haben, wollen einen Wandel. Sie wollen, dass der Staat wieder funktioniert, dass er sich kümmert, gerecht ist und für Sicherheit sorgt. Die Ergebnisse dieser Wahl zeigen uns ein neues Szenario, eines, das von uns eine wahrhaftige Aussöhnung unter den Peruanern einfordert", ruft Fujimori. Wenn sie gewählt werden sollte, werde sie diese Verantwortung annehmen: "Ich rufe alle auf, für den Wandel und für die Zukunft zu stimmen."

Auf knapp 40 Prozent der Stimmen soll die Favoritin bei dieser Wahl gekommen sein. Das bestätigten erste Hochrechnungen. Ein Etappensieg - denn für eine absolute Mehrheit hat es nicht gereicht. Es wird eine Stichwahl geben.

Keiko Fujimoris Vater regierte das Land mit harter Hand

Alberto Fujimori, früherer Präsident und Vater von Keiko Fujimori
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Der frühere Präsident Alberto Fujimori - Tochter Keiko ging auf vorsichtige Distanz, profitiert aber auch von seinem Ruf.

Ob Keiko Fujimori die Zukunft ist, daran zweifeln jedoch sehr viele Peruaner. Für sie repräsentiert die 40-jährige Rechtspopulistin das Gegenteil: eine grausame Vergangenheit. Keiko Fujimori ist die Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori, der das Land von 1990 bis 2000 regierte. Mit harter Hand und am Kongress vorbei. Derzeit verbüßt er eine 25-jährige Haftstrafe wegen Korruption und Menschenrechtsverbrechen im Gefängnis.

Keiko Fujimori ging auf vorsichtige Distanz zu ihrem Vater - doch sie profitiert auch von seinem Ruf, mit harter Hand gegen den Terrorismus in den 1990er-Jahren vorgegangen zu sein. Just am Vortag der Wahlen sind bei Angriffen mutmaßlicher Mitglieder der Guerilla "Leuchtender Pfad" im peruanischen Dschungel sieben Menschen ums Leben gekommen. "Basta mit dem Verbrechen und dem Terrorismus", ruft Keiko –-doch ihre Kandidatur spaltet das Land.

Profitieren könnte Pedro Pablo Kuczynski

Der neoliberalte Finanzexperte Pedro Pablo Kuczynski
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Der neoliberalte Finanzexperte Pedro Pablo Kuczynski landete auf Platz 2.

Davon könnte er profitieren: Pedro Pablo Kuczynski - den alle nur PPK nennen. Der ehemalige Banker belegt laut Hochrechnungen Platz zwei und würde damit gegen Fujimori in die Stichwahl am 5. Juni einziehen. Sein Schwachpunkt: Er ist bereits 77 Jahre alt. Seinen Anhängern ruft er zu: "Ich danke den jungen Menschen - denen, die jung an Jahren sind, aber auch denen, die jung im Geiste geblieben sind. Denen, die an ein sehr viel besseres Morgen glauben. Lasst uns gemeinsam vorwärts gehen."

Kuczynski versucht mit Erfahrung zu punkten. Er prägte Perus Politik als Wirtschafts- und Premierminister und steht für einen neoliberalen Wirtschaftskurs. Sich von ihm abzugrenzen, wird für die ebenfalls konservative Keiko Fujimori sehr viel schwieriger, als sich von der 35-jährigen Linksabgeordneten Veronika Mendoza zu distanzieren.

Die Linkspolitikerin Veronika Mendoza auf Platz 3

Die linke Kandidatin Veronika Mendoza
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Wohin die Wählerstimmen der drittplatzierten Veronika Mendoza bei der Stichwahl wandern, ist noch völlig offen.

Diese sprach sich für eine sozialverträgliche Wende in der Wirtschaftspolitik aus und lieferte sich zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Kuczynski. Nun ist sie nur auf dem dritten Platz gelandet. Wohin ihre Wählerstimmen bei einer Stichwahl am 5. Juni wandern, ist völlig offen. Die Endergebnisse der Wahl werden in der Nacht zu Dienstag erwartet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. April 2016 um 05:27 Uhr

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