Nikol Paschinjan spricht vor Anhängern | Bildquelle: dpa

Armenischer Politiker Paschinjan Anführer im Revoluzzer-Outfit

Stand: 01.05.2018 11:05 Uhr

Armenien befindet sich im Umbruch - die "samtene Revolution" läuft. Anführer der Proteste ist Nikol Paschinjan. Der 42-Jährige im Revoluzzer-Outfit will Ministerpräsident werden. Wer ist der Mann?

Paschinjan bei einer Kundgebung | Bildquelle: dpa
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Paschinjan weiß das armenische Volk an seiner Seite.

Staatsmännisch kommt Nikol Paschinjan nicht rüber: In T-Shirt mit Basecap und grauem Bart wirbt er für seine Sache. Paschinjan will einen politischen Neuanfang in Armenien, nachdem Ministerpräsident Sersch Sargsjan in Folge von Protesten zurücktreten musste.

Paschinjan macht schon seit Jahren Politik, doch richtig populär wurde er erst durch seinen rund zweiwöchigen Marsch in die Hauptstadt Jerewan. Mit jedem Schritt schlossen sich dem Mann, der früher als Journalist arbeitete, mehr Unterstützer an. Inzwischen hat er das Volk hinter sich - die "samtene Revolution" ist im Gange. "Nikol, Nikol"-Sprechchöre in den Straßen zeugen von seinem Rückhalt in der Ex-Sowjetrepublik mit rund drei Millionen Einwohnern.

"Zur richtigen Zeit am richtigen Ort"

Gegenüber der Deutschen Welle nannte der armenische Politik-Experte Ruben Megrabjan den 42-Jährigen den unangefochtenen Anführer der Proteste. "Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat den Startschuss gegeben", sagt Megrabjan. Die Massen seien ihm gefolgt, allerdings nicht, weil er so beliebt sei, sondern "weil die Lage im Land nicht mehr auszuhalten war".

Nikol Paschinjan | Bildquelle: picture alliance / AP Photo
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Paschinjan 2016. Damals noch in Hemd und ohne Bart. Den ließ er sich erst während seines Protestmarsches wachsen.

Durch sein martialisches Äußeres erinnert Paschinjan an den kubanischen Revolutionär Fidel Castro. Einige Menschen vergleichen ihn auch mit Che Guevara. Dazu winkt Paschinjan beim Treffen mit Journalisten ab. "Unsere politische Bewegung will die Atmosphäre im Land verändern", sagt er schlicht.

Seit Jahren kämpft er gegen die etablierten Eliten und Korruption sowie für demokratische Reformen. In der Außenpolitik hält er an der Zusammenarbeit sowohl mit Russland als auch mit der EU fest sowie an einem harten Kurs gegen das verfeindete Aserbaidschan.

Aufbrausend und charismatisch

Beobachter beschreiben den Vater von vier Kindern als aufbrausend, aber charismatisch. Mit viel Energie hat Paschinjan seine Anhänger zu Protesten mobilisiert. Er selbst bezeichnet sich als "Kandidat des Volkes".

Im Parlament fehlt ihm die Unterstützung. Um sein Ziel zu erreichen, Ministerpräsident von Armenien zu werden, braucht er die Unterstützung der ehemaligen Regierungspartei. Sollte dieser Plan scheitern, will Paschinjan weiter protestieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Mai 2018 um 10:55 Uhr.

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