Bewaffnete Einsatzkräfte auf den Champs-Elysée. | Bildquelle: AP

Attacke auf Champs-Élysées Attentäter war IS-Anhänger

Stand: 20.06.2017 19:23 Uhr

Der Attentäter, der den Angriff auf den Pariser Champs-Elysées verübte, hat sich in einem Abschiedsbrief zum IS bekannt. Seine extremistischen Ansichten waren den Behörden schon länger bekannt - was für Diskussionen sorgt, da der Täter zudem mehrere Waffen angemeldet hatte.

Der Angreifer, der auf den Pariser Champs-Elysées mit einem Auto einen Polizeiwagen gerammt hat, war Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat". Das gaben die mit dem Fall befassten Ermittler bekannt. Sie hätten einen Abschiedsbrief des 31-Jährigen gefunden, in dem er sich zum IS-Anführer, Abu Bakr al-Baghdadi, bekennt.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass der Täter, der bei dem Angriff schwer verletzt wurde und kurz darauf verstarb, von Behörden bereits seit 2015 in einer Gefährderdatei mit mutmaßlich radikalisierten Islamisten geführt wurde. Damals war er mehrfach in die Türkei gereist, für viele Dschihadisten ein Transitland auf dem Weg nach Syrien.

Auch die Familie des Mannes soll der extremistischen Salafisten-Szene angehören. Der Vater, der Bruder, die Ex-Frau und die Schwägerin des 31-Jährigen wurden nach dem Anschlag in Polizeigewahrsam genommen und verhört. In Frankreich ist dies nach Anschlägen gängige Prozedur.

Waffenlager entdeckt

Der 31-Jährige war Sportschütze und hatte einen Waffenschein. Bei einer Durchsuchung seines Hauses in Plessis-Pâté bei Paris wurde ein "Waffenlager" gefunden, wie nach einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen verlautete. Der Attentäter besaß demnach neun den Behörden bekannte Waffen: zwei Pistolen und ein Gewehr, für das er eine Behördenerlaubnis benötigte, sowie sechs weitere Waffen, die er den Behörden lediglich melden musste. Unklar ist, wie viele und welche Waffen von der Polizei beschlagnahmt wurden.

Dass der Mann trotz des Eintrags in der Gefährderdatei einen Waffenschein und Waffen besitzen konnte, sorgte in der französischen Hauptstadt für Debatten. Eine solche Situation sei nicht "zufriedenstellend", sagte Premierminister Edouard Philippe den Sendern RMC und BFMTV.

Die erste Erlaubnis zum Waffenbesitz sei aber erteilt worden, bevor der Mann als radikaler Islamist gemeldet worden sei. Als er Ende 2016 eine Verlängerung seines Waffenscheins beantragte, bat die Polizei den Inlandsgeheimdienst DGSI um eine Einschätzung, wie es aus Ermittlerkreisen hieß. Dieser kam zu dem Schluss, dass es nicht zielführend sein, den Waffenschein zu entziehen. Die Erlaubnis wurde schließlich verlängert.

Zweiter Angriff in zwei Monaten

Der bewaffnete Mann hatte am Montag auf dem Prachtboulevard ein mit einer Gasflasche beladenes Auto in einen Kleinbus der Gendarmerie gefahren. Das Fahrzeug des Angreifers ging in Flammen auf. Der schwer verletzte Fahrer starb kurz darauf. Beamte oder Passanten wurden bei der Attacke nicht verletzt. Innenminister Gérard Collomb sprach von einem versuchten Anschlag.

Erst vor zwei Monaten, am 20. April, hatte ein Mann auf den Champs-Élysées das Feuer auf Polizisten eröffnet und einen Beamten getötet, bevor er selbst erschossen wurde. Bei dem toten Angreifer wurde ein Schreiben mit Bezug zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Der IS reklamierte die Attacke für sich.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Juni 2017 um 19:15 Uhr.

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