Das römische Amphitheater in Palmyra | Bildquelle: REUTERS

Wüstenstadt Palmyra IS zerstört Teile des Theaters

Stand: 20.01.2017 16:10 Uhr

Die Terrormiliz IS hat in Syriens Oasenstadt Palmyra Teile des römischen Theaters zerstört. Am Mittwoch sollen Beamte, Lehrer und Soldaten hingerichtet worden sein. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist seit Dezember wieder unter der Kontrolle des IS.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat in Syriens Oasenstadt Palmyra erneut einzigartige archäologische Bauten zerstört. Satellitenbilder der UN zeigten, dass Teile der Bühne und prächtigen Bühnenwand des römischen Amphitheaters zerstört wurden. Auch das Tetrapylon liegt zu großen Teilen in Trümmern. Allerdings handelt es sich bei den meisten Säulen dieses typischen Monuments der römischen Architektur um moderne Nachbauten. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Bauten seien gesprengt worden.

Den Bilder des UN-Satellitenprogramms zufolge müssen die neuen Zerstörungen zwischen dem 26. Dezember und 10. Januar erfolgt seien. Lokale Quellen hatten zunächst berichtet, die historischen Stätten seien am Donnerstag zerstört worden.

UNESCO bezeichnet Zerstörungen als"Kriegsverbrechen"

Palmyra gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Generaldirektorin Irina Bokova bezeichnete die jüngsten Zerstörungen durch die Dschihadisten als "Kriegsverbrechen". Die Zerstörung sei "ein immenser Verlust für das syrische Volk und die Menschheit". Das Tetrapylon sei ein Symbol für den Geist der Begegnung und die Offenheit Palmyras - "und dies ist auch einer der Gründe, warum es zerstört wurde", so Bokowa.

Am Mittwoch soll der IS außerdem zwölf Gefangene in Palmyra ermordet haben. Vier Lehrer und Regierungsmitarbeiter seien vor einem Museum geköpft worden. Acht syrische Soldaten und Kämpfer anderer Rebellengruppen seien in dem römischen Amphitheater erschossen und anschließend enthauptet worden, berichteten die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die Aktivistengruppe Palmyra Monitor.

Sprengungen und Hinrichtungen

Der IS hatte die Wüstenstadt erstmals im Mai 2015 eingenommen und anschließend zahlreiche einzigartige rund 2000 Jahre alte Bauwerke gesprengt, darunter den Baal-Tempel und den Triumphbogen. Auch ein Teil der berühmten Säulenstraße wurde zerstört. Außerdem töteten sie unter anderem den früheren Chef-Archäologen der Stadt, Khalid Asaad, vor Dutzenden Zuschauern auf einem öffentlichen Platz.

Rund zehn Monate später konnten syrische Regierungskräfte die Stadt mithilfe russischer Luftangriffe wieder unter Kontrolle bringen. Russland feierte die Befreiung mit einem Sinfoniekonzert in Palmyras Amphitheater. Für den Auftritt wurde das Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters eingeflogen.

Im vergangenen Dezember eroberte der IS Palmyra erneut. Zwar hat die Terrormiliz in Syrien mehrere Niederlagen erlitten, im Norden und Osten des Bürgerkriegslandes kontrolliert sie aber weiter große Gebiete.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2017 um 13:00 Uhr.

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