Menschen warten in der Nähe der südsudanischen Stadt Akobo auf Hilfsgüter von Oxfam. | Bildquelle: AP

Hilfsorgansiation Oxfam warnt Millionen Menschen im Südsudan droht Hunger

Stand: 29.05.2018 01:01 Uhr

Nach Jahren des Bürgerkriegs wird im Südsudan die Nahrung knapp, warnt die Hilfsorgansiation Oxfam. Millionen Menschen könnten betroffen sein. Teils würde die Bevölkerung schon Gras und Unkraut essen.

Im Südsudan sind nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht. Das Hungersnot-Frühwarnsystem FEWSNET habe in der vergangenen Woche festgestellt, dass im Kreis Pibor im Bundesstaat Boma bereits ein Fünftel der Haushalte unter einer Hungersnot leide, teilte Oxfam mit.

Vier Jahre Konflikt und Bürgerkrieg hätten die Vorräte der Menschen aufgezehrt und landesweit die Selbsthilfemöglichkeiten der Gemeinden erschöpft. In Pibor hätten zudem Schädlingsbefall und Überschwemmungen die Ernten vernichtet, erklärte die Hilfsorganisation. Mit Einsetzen der Regenzeit müsse ein Großteil der Nahrung aus der Hauptstadt Juba eingeflogen werden und werde damit für viele Menschen zu teuer.

Der Südsudan war 2011 vom Sudan unabhängig geworden. Im Dezember 2013 entflammte in dem neu gegründeten Land ein blutiger Bürgerkrieg. Seitdem wurden zehntausende Menschen getötet und fast vier Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Internationale Hilfe reicht nicht aus

Schon 2017 hatte es im Sudsudan eine schwere Hungerkrise gegeben, in den zwei Kreisen wurde offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Massive internationale Hilfe habe geholfen, eine noch größere Krise zu verhindern, erklärte Oxfam.

Aber nach den Missernten des vergangenen Jahres stehe der Südsudan nun wieder am Rande der Katastrophe. "Auf die formelle Ausrufung einer Hungersnot zu warten, reicht nicht aus", warnt Oxfams Landesdirektor für den Südsudan, Nicolo Di Marzo. Die Menschen vor Ort seien verzweifelt. Eine Frau in Pibor habe berichtet, dass ihre Familie schon Gras und Unkraut auskoche. "Davon werden sie zwar krank, aber es ist ihre einzige Chance zu überleben", erklärte Di Marzo.

Internationale Hilfe habe die Versorgung bisher notdürftig aufrecht erhalten können. Der Bedarf steige aber in einem Maße, "dass Oxfam und andere Hilfsorganisationen kaum mehr Schritt halten können", warnte Di Marzo. Ähnliche Entwicklungen beobachteten die Helfer landesweit.

Friedensgespräche in Äthiopien stocken

Oxfam zeigte sich besorgt, dass bei Friedensgesprächen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba kein Abkommen zur Beendigung des vierjährigen Bürgerkriegs im Südsudan zustande gekommen sei. "Jede Verlängerung des Konflikts bedeutet, dass mehr Menschen von ihrem Land vertrieben werden, ihre Lebensgrundlagen verlieren und hungern", erklärte die Organisation.

Di Marzo warnte: "Ohne Frieden wird der Hunger nicht aufhören, den Südsudan heimzusuchen. So wichtig internationale Nothilfe ist, so wichtig ist es, dass die regionale und internationale Staatengemeinschaft ihr volles diplomatisches Gewicht in die Waagschale wirft, um Frieden im Südsudan zu erreichen."

Oxfam versorgt im Südsudan nach eigenen Angaben über 550.000 Menschen mit Nahrung und sauberem Trinkwasser und unterstützt sie dabei, Einkommen zu erwirtschaften und ihre Familien vor Krankheiten zu schützen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Mai 2018 um 05:30 Uhr.

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