Österreichs neuer Vizekanzler Werner Kogler | Bildquelle: FLORIAN WIESER/EPA-EFE/REX

Türkis-grüne Regierung Das ist Österreichs neuer Vizekanzler

Stand: 02.01.2020 18:11 Uhr

Bei der Wahl 2017 verpassten die Grünen noch den Einzug ins Parlament. Mit Werner Kogler an der Spitze schafften sie den Aufstieg zur Regierungspartei. Wer ist Österreichs neuer Vizekanzler?

Werner Kogler hatte bei den österreichischen Grünen schon viele Ämter inne. Dass er mal Österreichs Vizekanzler werden würde, dürfte sich der 58-Jährige vor etwas mehr als zwei Jahren aber nicht ausgemalt haben. Da lag seine Partei mit 3,8 Prozent am Boden. Die Grünen verpassten bei der Wahl im Herbst 2017 den Einzug ins Parlament. Es drohte der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Kogler nahm sich der Partei an und profitierte dabei auch von der Allgegenwärtigkeit der Klimadebatte. 13,9 Prozent der Wähler konnten der Parteichef und seine Unterstützer Ende September überzeugen. Den Wahltag bezeichnete er als "Sunday For Future".

Mit hochgekrempelten Ärmeln in den Wahlkampf

Der Wirtschaftswissenschaftler prägt seit mehr als 30 Jahren die Politik der österreichischen Grünen mit und wirkt dabei manchmal eher wie ein etwas zerstreuter Gelehrter als ein scharfzüngiger Umweltaktivist. Viele Sätze sind verschachtelt, oftmals haben sie nicht mal ein Ende. Und doch strahlt Kogler dabei Überzeugung für grüne Umweltpolitik aus.

Vor der Wahl und den Koalitionsverhandlungen überzeugte er zudem mit seiner Lockerheit: Ähnlich wie der deutsche Grünen-Chef Robert Habeck präsentierte sich auch Kogler gerne mit hochgekrempelten Hemdsärmeln, den gesamten Wahlkampf über begleitete ihn eine auffällige, neongrüne Sonnenbrille. Seit der Wahl und den Koalitionsverhandlungen zeigt der 58-Jährige aber auch optisch seine staatstragende Seite - mit Sakko und immer öfter auch mal mit der Merkel-Raute.

Österreichs neuer Vizekanzler Werner Kogler | Bildquelle: AFP
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Grünen-Parteichef Kogler bei einer Wahlkampfveranstaltung im September

Mitbegründer der heutigen Grünen

Geboren wurde Kogler am 20. November 1961 in Hartberg - gut 70 Kilometer von Graz entfernt. Das Interesse an der Politik kam langsam. Als 17-Jähriger gründete er mit Freunden den "Verein zur Abschaffung des Mittelalters in der Oststeiermark" - eine Provokation in der stark konservativen Region.

Bei seiner Abiturprüfung sei er gefragt worden, ob es in Österreich eine grüne Partei brauche, was er damals bejahte. 1982 gehörte er dann zu den Gründern der Alternativen Liste Österreich - einem Vorläufer der heutigen Grünen in der Alpenrepublik. 1999 zog Kogler erstmals als Abgeordneter in den Nationalrat ein. 2010 trug er seine Gedanken zum Budget der Regierung fast 13 Stunden am Stück vor - ein gewisser Hang zu Endlossätzen ist ihm zweifelsohne geblieben.

Österreich soll Vorreiter beim Klimaschutz werden

Doch wenn es drauf ankommt, macht Kogler klar, was ihm wichtig ist. Die Grünen seien für eine Koalition mit der ÖVP von Sebastian Kurz gesprächsbereit, wenn sich die ÖVP bei den Themen Korruptionsbekämpfung, Kinderarmut und Klimaschutz bewege. Dieses Mantra wiederholte Kogler seit dem Wahlsonntag.

Vor allem beim Klimaschutz muss die Partei den Wählern nun etwas bieten. "Wir machen die Wahl zur Klima-Wahl", stand schon im Vorwort des grünen Wahlprogramms. Am Mittwochabend sagte der 58-Jährige zur Einigung mit der ÖVP auf eine Regierung, dass Österreich nun zum internationalen Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden solle.

Herausforderung: neben Medienprofi Kurz bestehen

Neben dem Klimathema setzte Kogler zuletzt auf die Zugkraft von Promis für den Wahlerfolg. Bei der Europawahl holte er TV-Köchin Sarah Wiener ins Boot. Vor der Nationalratswahl konnte er mit Leonore Gewessler eine in Österreich bekannte Aktivistin einer Umwelt-NGO von einer Kandidatur überzeugen. Gewessler wird nun wohl grüne Superministerin und ist dann unter anderem zuständig für die Umwelt, den Verkehr und für Energiethemen.

Kogler selbst wird als Vizekanzler vor der großen Herausforderung stehen, neben dem stets perfekt vorbereiteten Medienprofi Sebastian Kurz als Juniorpartner nicht unterzugehen. Dann wäre nicht ausgeschlossen, dass das Duo Kurz-Kogler in den kommenden Jahren die österreichische Politik auch langfristig prägt.

(Quelle: dpa)

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

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