Kunden mit Mundschutz kaufen in einem Supermarkt in Schwechat ein. | dpa

Österreich Maskenpflicht bringt Handel in Zeitnot

Stand: 01.04.2020 08:20 Uhr

In Österreichs Supermärkten dürfen die Menschen künftig nur noch mit Mundschutz einkaufen. Der Erlass setzt die Unternehmen unter Zeitdruck - denn die Masken sind begehrt. Wer die Kosten tragen soll, ist unklar.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Der Erlass des Gesundheitsministeriums gibt Österreichs Supermarkt- und Drogerieketten noch bis Montag Zeit, um die neuen Schutzmaßnahmen umzusetzen. Und dafür gibt es im Wesentlichen auch einen offenkundigen Grund.

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

"Die große Herausforderung für alle Unternehmen ist nach wie vor: Wo bekommen wir vier Millionen Masken pro Tag?", sagte Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbandes, gegenüber dem ORF.

So viele Masken wären laut Schätzungen des Handelsverbandes notwendig, um die neuen Vorschriften landesweit in allen Supermarkt- und Drogeriefilialen einhalten können.

"Wir sind nicht die Einzigen, die Masken brauchen"

Es lastet ein enormer Zeitdruck auf den Unternehmen und den Mitarbeitern, binnen weniger Tage genügend Masken zu kaufen und ihren Kunden kostenlos zur Verfügung zu stellen.

"Wir sind nicht die Einzigen, die Masken brauchen", sagte Hannes Wuchterl im ORF, Geschäftsführer der landesweiten Lebensmittel-Dachmarke Nah und Frisch, unter der sich rund 500 selbstständige Einzelhändler zusammengeschlossen haben. Dementsprechend sei es schwer, Mund-Nasen-Masken zu bekommen.

"Wir führen auch Gespräche mit der Wirtschaftskammer und natürlich auch mit allen anderen Quellen, die wir irgendwie auftreiben können, um an diese Masken heranzukommen." Das sei alles andere als leicht.

Maskenpflicht für Kunden ab Montag

Spätestens bis 6. April müssen die Supermarkt- und Drogerieketten jedem Kunden vor Betreten der Filiale kostenlos eine Mund-Nasen-Maske aushändigen, es sei denn, die Kunden bringen bereits ihre eigene Maske mit.

In Supermarktfilialen, die bereits ab heute die Masken vor den Eingängen zur Verfügung stellen, müssen die Kunden sie sofort anlegen. Die Sprecherin von Spar Österreich, Nicole Berkmann, wandte sich daher vorsorglich schon am Dienstagabend an die Kunden: "Wir möchten dringend aufrufen, dass morgen in der Früh nicht gleich alle gleichzeitig kommen, sondern jeder kann kommen, wann er normalerweise einkaufen geht."

Kostenfrage ungeklärt

Umstritten zwischen Handel und Regierung ist die Frage, wer die Kosten für den Kauf der Masken tragen soll. So liegt der aktuelle Preis auf dem hoch umkämpften Weltmarkt für Mund-Nasen-Masken nach Angaben des österreichischen Handelsverbandes bei rund einem Euro pro Stück.

Allein Spar Österreich habe vier Millionen Mund-Nasen-Masken vorrätig und 32 Millionen Neue bestellt. Der Erlass verlangt von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Supermarkt- und Drogerieketten, dass sie im Geschäft Handschuhe tragen und Masken. In der Anordnung ist von "mechanischen Schutzvorrichtungen" die Rede, die eine "mechanische Barriere gegen eine Tröpfencheninfektion" bilden.

Außerdem müssen alle Einkaufswagen nach jedem Gebrauch umgehend desinfiziert werden, vor der Kasse hat eine Plexiglas-Trennscheibe zu stehen. Ausgenommen von dem Erlass sind kleinere Läden mit einem Kundenbereich von bis zu 400 Quadratmetern.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 01. April 2020 um 06:38 Uhr.