Shell-Bohranlage

Streit um Ölbohrungen New York stemmt sich gegen Trump

Stand: 10.03.2018 01:53 Uhr

Praktisch jeden Abschnitt der USA will die Trump-Regierung für Ölbohrungen freigeben. Doch einzelne Staaten wehren sich. Florida war dabei bereits erfolgreich. Auch New York stemmt sich gegen die Pläne.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

"Eine total bescheuerte Idee" - das ist die unverblümte Botschaft Richtung Washington. Andrew Cuomo ist Gouverneur von New York. Und nein: Sein Staat werde auf keinen Fall an der langen Küste Ölbohrungen vornehmen.

Grundsätzliche Opposition

Donald Trump und sein Innenminister Ryan Zinke aber wollen praktisch jeden Abschnitt der USA dafür freigeben. Florida allerdings ist nach einem Protest seines republikanischen Gouverneurs aus Sorge um die Tourismusindustrie bereits davon ausgenommen. Das demokratisch regierte New York folgt nun nach - allerdings aus grundsätzlicher Opposition.

"Diese Regierung glorifiziert die Vergangenheit Amerikas. Macht Amerika wieder großartig. Zurück zu den guten alten Tagen, als wir noch fossile Energien nutzten. Das klingt wie: Lasst uns zurückgehen zu den guten alten Tagen, als ich 21 Jahre alt war, jeden Tag zwei Schachteln Zigaretten rauchte - und Lungenkrebs bekam", sagt Cuomo.

New Yorks Gouverneur hat sich zur Verstärkung den Ex-Vizepräsidenten und Klimaexperten Al Gore in die Metropole geholt. An der New Yorker Universität strafen sie gemeinsam die Energiepolitik der Trump-Regierung als völlig rückwärtsgewandt ab.

Andrew Cuomo und Al Gore | Bildquelle: AP
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Al Gore (rechts) unterstützt Gouverneur Cuomo.

"Wer aufs falsche Pferd setzt im Versuch, die dreckigen zerstörerischen fossilen Energien der Vergangenheit zu erhalten, muss manchmal dafür zahlen", sagt Gore. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für Klimaschutz und erhielt 2007 den Friedensnobelpreis dafür, zudem leitet er eine Investmentfirma für nachhaltige Geldanlagen, schreibt Bücher, und vermittelte bei der Weltklimakonferenz in Paris. "Wir sind am Beginn einer Nachhaltigkeitsrevolution auf dieser Welt. Mit der Größe der industriellen Revolution. Aber der Schnelligkeit der digitalen. Diese Revolution verändert jeden Sektor der Wirtschaft", so Gore.

Waffengesetze und Einwanderung, russische Einmischung in die US-Wahlen und Frauenrechte, Steuervorteile für die Reiche und Benachteiligung von Schwulen und Lesben: Gouverneur Cuomo nutzt seine Rede für eine Generalabrechnung mit dem Weißen Haus - und scheint sich auch schon als möglicher Gegen-Kandidat der Demokraten zu Trump warmlaufen zu wollen.

Allianz zum Schutz der Umwelt

Schließlich aber findet er doch noch zum Anlass seiner Rede zurück: "New York führt die Gegenbewegung zur US-Regierung an, zum Schutz der Umwelt. Wir haben bereits damit begonnen. Sie haben den Pariser Klimavertrag verlassen. Wir starten unsere eigene Allianz, dem Vertrag zu folgen und ihn noch zu übertreffen."

Der Staat New York stecke 300 Millionen Dollar in einen Umweltschutzfond. Verbiete Fracking. Und wolle bis 2020 ohne Kohle-Energie auskommen. Andererseits hängt es bislang noch sehr von Atomkraftwerken ab. Aber: Städte, Staaten und die Wirtschaft verstehen sich als kraftvolle Opposition zur Politik aus Washington.

44 Ölkatastrophen habe es seit 1969 gegeben, rechnet Cuomo vor. Nicht zuletzt die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" 2010. New York wolle dieses Risiko nicht - die Trump-Regierung aber offenbar schon. Ihr Plan erhöhe die Gefahren sogar noch.

New York legt Einspruch gegen Ölbohrrechte vor
K. Clement, ARD New York
10.03.2018 00:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. März 2018 um 14:00 Uhr.

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