Trump bei PK im Weißen Haus | Bildquelle: REUTERS

One America News Network Das neue Sprachrohr des Präsidenten

Stand: 24.08.2020 09:24 Uhr

Nach Ärger über seinen einstigen "Haussender" Fox News hilft Präsident Trump nun einem neuen Kanal: One America News Network. Die Journalisten sind auf seiner Linie und Trump zeigt sich erkenntlich.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

One America News Network (OAN) - der Sender mit den US-Farben und dem Weißkopfseeadler im Logo sagt von sich selbst, er berichte unzensiert und unvoreingenommen für ganz Amerika. Ganz Amerika? Genau genommen richtet sich OAN vor allem an eine rechtskonservative Zuschauerschaft.

Das versuche der Sender gar nicht zu verschleiern, sagt Dean Nelson, Direktor des Journalismusprogramms an der Point Loma Nazerene University im kalifornischen San Diego: "Eine gute Sache, die ich über sie sagen könnte? Sie gehen sehr offen mit der Art um, wie sie berichten - nämlich sehr konservativ, eher rechts. Wer sich die Nachrichten dort anschaut, weiß sehr schnell, wo er da gelandet ist."

OAN-Korrespondetin Rion (links) mit Trump-Anwalt Giuliani | Bildquelle: Stefani Reynolds/POOL/EPA-EFE/Sh
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OAN-Korrespondetin Rion (links) mit Trump-Anwalt Giuliani

Zur klaren Linie des Senders gehört: Sie attackieren andere Medien. Sie werfen ihnen vor, zu lügen und Falschmeldungen zu verbreiten oder Fakten zu verschwiegen. In der Sendung "Tipping Point" bezichtigte OAN-Moderatorin Liz Wheeler die sogenannte "Mainstream-Presse" beispielsweise, den gewaltsamen Tod eines fünfjährigen Jungen verschleiert zu haben, weil der mutmaßliche Täter ein Schwarzer ist.

OAN riet zur gezielten Corona-Infizierung

Solche Unterstellungen findet man sehr häufig. Die Demokraten und die Linke sind das Feindbild, die Haltung der Sender und seiner Moderatoren ist erzkonservativ, ihnen wird vorgeworfen, homophob zu sein und Verschwörungstheorien zu befeuern. Die Restriktionen in der Corona-Pandemie werden kritisch gesehen. Talkshow-Moderator Graham Ledger empfahl dem Publikum im April, sich gezielt mit dem Coronavirus zu infizieren, um eine Herdenimmunität zu erlangen.

Die Rhetorik des Fernsehsenders findet sich oft eins zu eins bei Reden von US-Präsident Donald Trump wieder. OAN wurde wohl auch daher schon als Trumps neuer Lieblings-Nachrichtensender bezeichnet. Bei fast allen Pressekonferenzen sind die Reporter des eigentlich eher kleinen Kabelsenders mittlerweile im Weißen Haus anzutreffen und sie stellen oft vergleichsweise harmlose oder schmeichlerische Fragen an den Präsidenten: "Ich denke, die Aufmerksamkeit, die Trump diesem Netzwerk gibt, hilft ihnen", meint Journalismus-Professor Nelson.

Donald Trump und Journalisten im Oval Office des Weißen Hauses | Bildquelle: REUTERS
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Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten. Doch noch immer gilt: Wer nah am Präsidenten dran ist, hat einen Wettbewerbsvorteil im umkämpften TV-Markt in den USA.

Trump hilft OAN

Trump hatte wiederholt auf Twitter Werbung für OAN gemacht. Wann immer er könne, schrieb er, schalte er diese TV-Nachrichten ein. Wohl auch, weil Trump in den vergangenen Monaten vom konservativen Sender Fox News immer wieder Kritik einstecken musste. Der galt eigentlich als sein Lieblingssender.

OAN steht dem Präsidenten sehr eng zur Seite. Und der scheint sich zu revanchieren. Zum Beispiel mit exklusiven Plätzen bei den Presse-Briefings im Weißen Haus.

Dort hatte die Korrespondentenvereinigung wegen Corona eine Art Rotationsprinzip für Journalisten eingeführt - damit Platz zwischen den Stühlen geschaffen werden konnte. Die Medienvertreter konnten also nicht an allen Tagen erscheinen, bis auf OAN-Korrespondentin Chanel Rion. Sie sagte, sie sei Gast des Weißen Hauses.

Spaltet OAN, oder nutzt der Sender die Spaltung aus?

Welche spalterische Kraft steckt im TV-Sender OAN? Für Dean Nelson eine spannende, aber nicht so leicht zu beantwortende Frage:

"Befeuern sie die Spaltung des Landes oder nutzen sie sie aus? Es kommt darauf an, welche Medien man sich anschaut. Manche wollen ihren Zuschauern nur Furcht einflößen. Das ist nichts Neues in der Mediengeschichte der USA. Schon Leute wie Verleger William Randolph Hearst publizierten Sensationsmeldungen, um mehr Leser zu bekommen. Wenn man sich anschaut, wie viel Nachrichtenberichterstattung bei OAN stattfindet, dann ist es sehr wenig. 

Das Gleiche gelte auch für die Nachrichtensender CNN, Fox oder MSNBC  - man sehe vor allem Kommentare, Meinungen, Spekulationen. "In den USA sind Nachrichtenmedien vor allem ein Geschäft. Und OAN hat herausgefunden, wie man seine Zuschauer ausnutzen kann – sie wollen nicht in erster Linie informieren, sondern Angst machen", sagt Nelson.

"Sie bestätigen, was du sowieso schon denkst"

Etwa 35 Millionen US-Haushalte erreicht OAN nach eigener Aussage - vor allem im Netz positionieren sie sich immer stärker, auf Facebook oder YouTube beispielsweise. Im Präsidentschaftswahlkampf könnten sie eine größere Rolle spielen, als Plattform auf der sich Trump sowie auch Anhänger seiner Familie unkritischer präsentieren dürfen, als in anderen Medien.

Medienanalyst Dean Nelson lehnt diese Art der Berichterstattung ab. "Sie bestätigen nur das, was du sowieso schon denkst. Guter Journalismus macht das Gegenteil, er macht es auch kompliziert und regt zum Denken an."

Neues Sprachrohr des Präsidenten? Der TV Sender „OAN“
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
24.08.2020 09:17 Uhr

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