Die Nusra-Front veröffentlichte auf ihrem Twitter-Account dieses Bild, das Kämpfer der Extremistengruppe auf dem Weg nach Aleppo zeigt

Abspaltung von Al-Kaida Al-Nusra-Front in Syrien benennt sich um

Stand: 28.07.2016 20:50 Uhr

Die als Terrorgruppe eingestufte Al-Nusra-Front in Syrien sagt sich vom weltweiten Netzwerk Al-Kaida los. Das taktische Ziel: Sich vom Stigma des Terrornetzwerks zu befreien und so neue Bündnisse mit anderen Rebellengruppen in Syrien zu ermöglichen.

Die in Syrien gegen die Regierung kämpfende extremistische Nusra-Front löst sich nach eigenen Angaben von Al-Kaida und gibt sich einen neuen Namen. Die im syrischen Bürgerkrieg bisher sehr einflussreiche Miliz will sich künftig "Dschabhat Fatah Scham", also "Eroberungsfront der Levante", nennen. Dies gab Nusra-Chef Mohammed al-Golani in den Sendern Orient TV und Al-Dschasira bekannt. Man werde keine Beziehungen "zu außenstehenden Gruppen" unterhalten, sagte al-Golani in einer Video-Botschaft. Auf dem Video war erstmals das Gesicht des Extremisten zu sehen.

Über die mögliche Trennung war schon länger spekuliert worden. Sie verfolgt offenbar ein taktisches Ziel: Damit will sich die Extremistengruppe vom Stigma des Terrornetzwerks befreien und so neue Bündnisse mit anderen Rebellengruppen in Syrien ermöglichen.

Nusra-Chef Mohammed al-Golani in einer Video-Botschaft
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In der Video-Botschaft zeigte Nusra-Chef Mohammed al-Golani erstmals sein Gesicht

Damit falle der Vorwand für die internationale Gemeinschaft weg, wegen der Verbindungen der Nusra-Front zur Al-Kaida Syrer anzugreifen, sagte al-Golani. "Wir haben unseren Einsatz unter dem Namen Al-Nusra-Front beendet und eine neue Organisation gegründet. Diese neue Organisation hat keine Verbindung zu irgendeiner ausländischen Partei."

Kontakt-Abbruch zu Al-Kaida nicht erwiesen

Zwar sagte al-Golani nicht ausdrücklich, dass seine Gruppe die Kontakte zur Al-Kaida abgebrochen habe. Er begründete die Neuorganisation aber mit dem Wunsch nach einer Annäherung an andere Rebellengruppen, die gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kämpfen.

Al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahri hatte zuvor seine Zustimmung zur Beendigung der organisatorischen Verbindungen zwischen beiden Gruppen gegeben. Die Al-Nusra-Front wird von den USA als Ableger der extremistischen Al-Kaida und als Terrorgruppe eingestuft. Sie wurde deshalb von den Syrien-Friedensgesprächen im Februar ausgeschlossen.

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Al-Nusra kämpfte bislang gegen Assad-Truppen

Russland und die USA beraten zudem über eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen die Organisation. Die Al-Nusra-Front ist unter anderem in der Nähe von Aleppo im Norden Syriens aktiv. Die Kämpfer der Nusra-Front waren militärisch oft besonders erfolgreich im Kampf gegen die Truppen des syrischen Präsidenten Assad und der mit ihm verbündeten Hisbollah. Zuletzt hatte Assad mit russischer Unterstützung militärisch aber Boden gut gemacht.

Russland und die USA unterstützen im syrischen Bürgerkrieg unterschiedliche Konfliktparteien, beteiligen sich aber beide an der Bekämpfung besonders radikaler Gruppen wie der Nusra-Front und der IS-Miliz.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2016 um 20:00 Uhr.

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