Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: dpa

USA - Nordkorea Berichte über Präventivschlag "spekulativ"

Stand: 14.04.2017 13:20 Uhr

Für den Fall eines weiteren Atomwaffentests Nordkoreas prüfen die USA derzeit ihre militärische Optionen gegen das Land. Berichte über einen Präventivschlag weist die Regierung in Washington jedoch als "bestenfalls spekulativ" zurück.

Die US-Regierung plant nach eigenen Angaben keinen Präventivschlag gegen Nordkorea. Ein Vertreter der Regierung in Washington wies entsprechende Medienberichte zurück. Er bezog sich auf einen Beitrag des TV-Senders NBC. Dieser sei schlicht falsch. Ein anderer Regierungsvertreter sagte, der Bericht sei "bestenfalls spekulativ". Das Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Man diskutiere mögliche Szenarien grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit.

NBC hatte unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise berichtet, die USA seien zu einem konventionellen Angriff auf Nordkorea bereit, wenn die Verantwortlichen von einem bevorstehenden neuen Atomwaffentest überzeugt seien. In jüngster Vergangenheit sind die Befürchtungen vor einem sechsten Atomwaffentest oder neuen Raketentests der Regierung in Pjöngjang gewachsen. Die USA haben einen Flottenverband in die Region entsandt.

Vize-Außenminister: "Wir werden in den Krieg ziehen"

Die derzeitige Situation auf der koreanischen Halbinsel sei ein "Teufelskreis", sagte der nordkoreanische Vize-Außenminister Han Song Ryol. Die "aggressiven" Tweets von US-Präsident Donald Trump sorgten zudem für Ärger, sagte Han in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Trump hatte am Dienstag auf Twitter geschrieben, Nordkorea "suche nach Ärger".

"Wir werden in den Krieg ziehen", sollten die USA das provozieren, sagte Han. Pjöngjang werde im Falle eines US-Präventivschlags nicht die Arme verschränken. Das Land werde den nächsten Test von Atomwaffen durchführen, wenn das oberste Hauptquartier es passend finde.

China und Russland warnen Konfliktparteien

China warnte vor einer Eskalation des Konflikts und rief alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf. "Wir fordern ein Ende der Provokationen und Drohungen, bevor die Lage nicht mehr zu retten ist", sagte Chinas Außenminister Wang Yi in Peking nach Gesprächen mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault. Wer Probleme auf der koreanischen Halbinsel mache, werde die Verantwortung übernehmen müssen.

Russland hat derweil zur Zurückhaltung aufgerufen. "Moskau beobachtet die Eskalation der Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel mit großer Sorge", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. Russland rufe alle Länder zur Zurückhaltung auf und warne vor "provokativen Schritten".

Die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea verstärken sich zunehmend, nachdem die USA eine Flugzeugträgergruppe in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel verlegt hatte. Zudem sieht Nordkorea die Militärmanöver Südkoreas und den USA als angebliche Übung für eine Invasion.

Militärschau zum Geburtstag des Großvaters

Nordkorea hatte jüngst mehrere ballistische Raketen abgefeuert. Experten nehmen an, dass das Land jederzeit einen Test von Atomwaffen durchführen könnte. Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea einen brauchbaren Atomsprengkopf und ballistische Raketen, die diesen bis in die USA transportieren können, in den kommenden Jahren entwickeln kann.

Welches Arsenal Nordkorea besitzt, könnte die Welt am Samstag zu sehen bekommen, wenn das Land den 105. Geburtstag von Landesvater Kim Il Sung begeht. Erwartungen zufolge könnte Nordkorea bei einer Militärparade die neuesten Errungenschaften präsentieren, um den Geburtstag des Großvaters von Machthaber Kim Jong Un zu feiern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. April 2017 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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