Nikki Haley | Bildquelle: REUTERS

US-Botschafterin bei den UN Lotse, Bändiger, Mastermind

Stand: 19.09.2017 06:03 Uhr

Freundliches Aussehen, knallhartes Verhandlungsgeschick - die amerikanische UN-Botschafterin Haley wird von Diplomaten geschätzt und von ihrem Chef Donald Trump gelobt. Ihn muss sie nun möglichst pannenfrei durch die UN-Vollversammlung führen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Ist es ein Appell oder eine Drohung? Es gehe um nicht weniger als darum, die Relevanz der Vereinten Nationen auch künftig zu gewährleisten, so Nikki Haley.

Sie ist die Vertreterin von Donald Trump bei den Vereinten Nationen. Eine Frau zwar freundlich-verbindlichen Auftretens, aber zugleich genauso starker Töne wie ihr Chef. Seite an Seite betraten sie zum Auftakt der Vollversammlung den UN-Hauptsitz am East River. Dann rückte er ihr den Stuhl zurecht, bevor sie sich Seite an Seite auf das Podium setzten. Dann ging es um ein Zehn-Punkte-Papier zur Reform der UN.

Sie ist seine Lotsin durch das Gewirr der Abkürzungen und das Dickicht der UN-Bürokratie, das selbst den UN-Chef Antonio Guterres schlecht schlafen lässt. Dessen Namen allerdings hat sich Trump - er mag bekanntlich detaillierte Vorbereitungen nicht - nur grob gemerkt und sprach ihn daher prompt falsch aus.

"Weg mit dem Fett"

Nikki Haley: Sie ist Trumps Mastermind für neue Vereinte Nationen, die schlanker, effizienter, günstiger werden sollen. Doch sie widerspricht ihm: Es gehe nicht um Geld, es gehe um Qualität: "Wir teilen das Ziel, die Vereinten Nationen besser zu machen. Nicht billiger, auch nicht teurer. Nicht kleiner, auch nicht größer. Sondern besser."

Das hat sie auch schon anders gesagt: Die UN hätten Fett angesetzt, das müsse nun weg. Einsparungen bei Blauhelmmissionen - bereits umgesetzt. Weniger zwar als ursprünglich angekündigt, aber doch eine halbe Milliarde Dollar. Einsparungen auch beim allgemeinen UN-Etat: Sie stehen bislang nur im US-Budgetentwurf, aber in einem solchen Ausmaß, dass sie UN-Sprecher Stephane Dujarric im Mai zu ungewohnt deutlichen Worte veranlasste: "Der Budgetentwurf jedenfalls würde es den UN schlicht unmöglich machen, all ihre unverzichtbare Arbeit fortzuführen."

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Bald Außenministerin Haley?

Den unsteuerbaren Trump durch diese UN-Woche zu steuern, sei der Bewährungstest für Haley, so die Zeitung "New York Times". Der Test für ihren Einfluss. Sie wird schon als neue Außenministerin gehandelt, sollte der eher wenig in Erscheinung tretende Rex Tillerson vielleicht einmal ganz verschwinden. In Hintergrundgesprächen loben UN-Diplomaten ihre politischen Instinkte, ihr Verhandlungsgeschick. Und ihr gutes Verhältnis zum UN-Chef. Trotz aller Kritik am Apparat bezeichnet sie ihn gar als Freund.

Die US-Botschafterin bei den UN, Nikki Haley | Bildquelle: REUTERS
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Nikki Haley mit ihrem Chef bei der UN-Vollversammlung

Unverbrüchlich aber steht Haley vor allem an der Seite ihres Präsidenten. Er werde während der UN-Generaldebatte schon die richtigen Leute verprügeln, die richtigen Leute umarmen. Und natürlich würden die USA gestärkt daraus hervorgehen.

Zugleich ist es eine Beziehung mit harten Belastungsproben. Das "Haley-Gesicht" etwa meint ihren starren Ausdruck, als der neben ihr stehende Trump auf einmal eine militärische Option in Venezuela in Betracht zog.

Wer spricht also in New York? Trump, der Unberechenbare oder Trump, der Mann des Teleprompters? An Tag eins bei dem Treffen zur UN-Reform jedenfalls hat er sich strikt an sein Skript gehalten - vielleicht Haleys Skript.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 19. September 2017 um 07:07 Uhr.

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