Menschen laufen Schlittschuh auf dem Wollman Rink, einer öffentlichen Eisbahn in New York City im Central Park. | AFP

Kündigung der Zusammenarbeit Wie kommt New York ohne Trump klar?

Stand: 24.11.2021 10:23 Uhr

Für New Yorks Bürgermeister de Blasio ist die Trump Organization wie die Mafia, die Stadt kündigte nach dem Kapitol-Sturm die Zusammenarbeit. Doch schon eine Eisbahn zeigt: So einfach ist die Sache nicht.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Im Januar konnte es dem New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio gar nicht schnell genug gehen: Man mache keine Geschäfte mehr mit der Trump Organization: "Wir machen keine Geschäfte mit einer kriminellen Organisation. Wir machen ja auch keine Geschäfte mit der Mafia. Leider ist die Trump Organization aus meiner Sicht nichts anderes als organisierte Kriminalität."

Peter Mücke ARD-Studio New York

Lange hatte New York das anders gesehen - und gern Geschäfte mit dem berühmten Sohn der Stadt gemacht. Für diverse Immobilienprojekte bekam Ex-Präsident Donald Trump millionenschwere Steuernachlässe. Und als die Stadt unter Bürgermeister Ed Koch in den 80er-Jahren sieben Jahre lang vergeblich versuchte, den Wollman Rink - eine marode Eislaufbahn im Central Park - zu sanieren, kam Trump gerade recht.

Trump brauchte 1986 gerade einmal vier Monate statt der angepeilten sechs - und schöpfte durch Tricks nicht einmal den Etat aus. Seitdem betrieb die Trump Organization die Eislaufbahn, später kam eine weitere im Norden des Central Park hinzu, ebenfalls in dem Park ein historisches Kinderkarussell und zuletzt ein Golfplatz in der Bronx.

Bill de Blasio | TANNEN MAURY/EPA-EFE/REX

"New York ist besser geworden", meint Bürgermeister de Blasio Bild: TANNEN MAURY/EPA-EFE/REX

"Leb' wohl, Trump Organization!"

Bis der Bürgermeister nach dem Sturm aufs Kapitol in Washington Anfang des Jahres die Reißleine zog: "Im Lichte dieser kriminellen Tat hat die Stadt entschieden, alle Verträge mit der Trump Organization zu kündigen. Wir werden keine Geschäfte mehr mit ihr machen. Leb' wohl, Trump Organization!"

Ein Lebwohl, das nicht schwer fiel. Die Verträge für die Eislaufbahnen und das Karussell wären im April ohnehin ausgelaufen. Am Ende arrangierte sich die Stadt sogar noch mit Trump, damit die Eislaufsaison nicht vorzeitig abgebrochen werden musste. Danach begann die schwierige Suche nach neuen Betreibern.

Das Karussell stand den ganzen Sommer über still und dreht sich erst seit einigen Wochen wieder. Die Eislaufbahn im Norden des Central Park bleibt diesen Winter wegen Sanierung ganz geschlossen. Aber immerhin auf dem Wollman Rink konnte de Blasio jetzt die Saison einläuten: "Das ist einer der Momente, an denen man merkt: New York ist nicht nur zurückgekommen, sondern sogar besser geworden. Der Wollman Rink ist wieder da - und besser als je zuvor."

Vor allem aber teurer als je zuvor. Eine vierköpfige Familie zahlt jetzt mit Schlittschuhe ausleihen und Spind 109 Dollar - unter Trump waren es 95 Dollar. Der neue Betreiber verweist darauf, dass er dabei nicht mal Gewinn mache, sondern die Erlöse in die Eisbahn und den Park investiere.

Die Sache mit dem Golfplatz könnte teuer werden

Richtig unangenehm könnte für die Stadt die Sache mit dem Golfplatz in der Bronx ausgehen. Dieser Pachtvertrag läuft erst 2035 aus. Gegen die vorzeitige Kündigung geht die Trump Organization inzwischen gerichtlich vor und fordert eine Entschädigung von 30 Millionen Dollar. Die zuständige Parkverwaltung wollte dazu trotz mehrfacher Anfrage keine Stellung nehmen.

Und auch Noch-Bürgermeister de Blasio redet lieber über andere Dinge: "Ich möchte, dass ihr die Wiedergeburt seht. Wie großartig diese Stadt ist. Die Möglichkeiten, die sich hier jeden Tag auftun. Ihr alle hier seid Teil dieser Comeback-Geschichte."

Mit der de Blasio in die Annalen der Stadt eingehen will. Das Trump-Vermächtnis hinterlässt er seinem Nachfolger Eric Adams, der im Januar ins Rathaus einziehen wird.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. November 2021 um 10:05 Uhr.