UN-Generalsekretär Guterres | AFP

Guterres zu Nahost-Konflikt "Das Kämpfen muss aufhören. Sofort."

Stand: 16.05.2021 19:27 Uhr

"Unkontrollierbar" und "sinnlos" - UN-Generalsekretär Guterres findet in einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates deutliche Worte zur Gewalt im Nahen Osten. Sein Appell ist eindringlich, die Wirkung bleibt abzuwarten.

Mit Blick auf den Nahost-Konflikt hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen vor einer unkontrollierbaren Krise in der ganzen Region gewarnt. "Dieser sinnlose Kreislauf aus Blutvergießen, Terror und Zerstörung muss sofort beendet werden", forderte António Guterres zum Auftakt einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates.

"Das Kämpfen muss aufhören. Sofort", sagte er. Die Gewalt, durch die binnen einer Woche fast 200 Menschen getötet wurden, sei absolut fürchterlich.

Internationale Vermittlungsbemühungen

"Es hat das Potenzial, eine unkontrollierbare Krise im Sicherheitsbereich und im humanitären Bereich auszulösen und Extremismus weiter zu fördern", so Guterres, "nicht nur in den besetzten palästinensischen Gebieten und Israel, sondern in der gesamten Region."

Der Generalsekretär versicherte, die Vereinten Nationen setzten sich auf allen Seiten aktiv für einen sofortigen Waffenstillstand ein. Jetzt müssten die Vermittlungsbemühungen intensiviert werden, um erfolgreich zu sein.

Verbale Konfrontation im Sicherheitsrat

Die Vertreter der beiden Konfliktparteien lieferten sich vor dem Sicherheitsrat at einen verbalen Schlagabtausch. Jedes Mal, wenn das Ausland Israel ein Recht auf Selbstverteidigung zuspreche, "fühlt es sich ermuntert, ganze Familien im Schlaf zu ermorden", sagte der palästinensische Außenminister Rijad al-Malki.

Israels UN-Botschafter Gilad Erdan erklärte, sein Land tue alles, um zivile Opfer zu vermeiden. "Israel benutzt seine Raketen, um seine Kinder zu schützen." Die radikal-islamische Hamas dagegen benutze Kinder, um ihre Raketen zu schützen, sagte er.

Bislang keine gemeinsame Position

Der UN-Sicherheitsrat hatte zwei Mal hinter verschlossenen Türen getagt und über die seit Montag anhaltenden Raketenangriffe der radikal-islamischen Hamas und israelischen Luft- und Artillerieangriffen beraten.

Diplomaten zufolge stellten sich die USA - der wichtigste Verbündete Israels - bislang gegen eine gemeinsame Erklärung.

Krisensitzung arabischer Staaten

Die 57 Mitgliedstaaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit forderten in einer virtuellen Krisensitzung ein Ende der israelischen Militäroperationen im Gazastreifen.

Der saudi-arabische Außenminister Faisal bin Farhan sagte, Israel solle auch internationale Hilfe in das palästinensische Gebiet lassen.

Appell des Papstes

Papst Franziskus rief die Konfliktparteien - ähnlich wie Guterres - zu einem umgehenden Ende der Gewalt und zu Friedensgesprächen auf. Die bewaffneten Konflikte zwischen Palästinensern und Israel drohten in eine Spirale des Todes und der Zerstörung abzugleiten, sagte Franziskus beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz.

Der inakzeptable Tod unschuldiger Menschen, darunter Kinder, zeige, dass man nicht gewillt sei, eine Zukunft zu bauen, sondern nur zu zerstören. "Ich frage Sie: Wohin führen Hass und Rache?", mahnte Franziskus. "Schaffen wir Frieden, indem wir den anderen zerstören?"

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2021 um 20:00 Uhr.