Bergarbeiter bergen Tote und Verletzte aus der Jademine in Myanmar  | AFP

Minen-Unglück in Myanmar Die Suche nach Jade brachte den Tod

Stand: 02.07.2020 18:55 Uhr

Sie gruben nach Jade-Steinen und bezahlten die Suche mit ihrem Leben: In Myanmar hat eine Schlammlawine mindestens 160 Arbeiter mit sich gerissen. Die Zahl der Opfer könnte noch steigen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Ein Handyvideo zeigt das Ausmaß der Katastrophe im Kanchin Staat. Eine gigantische graue Schlammlawine - mindestens 100 Meter breit und ebenso lang - rutscht einen Hang hinunter. Es sieht aus, als sei der ganze Berg in Bewegung.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Unten im Tal ergießen sich die Erdmassen in einen türkisgrünen See. Eine gewaltige Welle türmt sich auf. Entsetzensausrufe sind zu hören, vermutlich von den Männern, die aus der Entfernung filmen.

Jade gehört zu den kostbarsten Rohstoffen

Helfer in orange-farbenen Overalls waten durch den grauen Schlamm, bergen Leichen. 162 Tote wurden bisher gefunden, mindestens 54 Menschen sind verletzt. Es sind Arbeiter, die nach Jade gruben.

Wieviele noch unter den Erdmassen begraben sind, lässt sich derzeit nicht sagen. Wegen heftiger Regenfälle wurden die Rettungsarbeiten im Norden Myanmars vorerst unterbrochen.

Jade gehört zu den kostbarsten Rohstoffen Myanmars - grünes Gold wird sie genannt. Jade im Wert von 28 Milliarden Euro wird jedes Jahr offiziell gefördert. Doch es gibt einen großen Schwarzmarkt. Tatsächlich also dürfte das Geschäft weitaus größer sein. Hauptabnehmer ist China. Jade ist gesund und kühlt den Körper, glauben viele Chinesen.

An Chinas Grenze herrscht ein Jade-Krieg

Die Förderung von Jade liegt in Myanmar fest in den Händen hoher Armeeoffiziere. Mit Waffengewalt verteidigt die Armee die Jade-Abbaugebiete gegen Rebellen aus Kachin. Es herrscht ein regelrechter Krieg um Jade an der Grenze zu China.

Mit den Milliarden aus dem Verkauf festigen die Generäle bis heute ihre Macht in der jungen Demokratie Myanmar. Die Sicherheitsvorkehrungen in den Minen sind oft mangelhaft, immer wieder kommt es deshalb zu schweren Unfällen.

Ein Kilo Jade kann bis zu eine Million Dollar bringen

Denn die türkisfarbenen Edelsteine locken auch tausende Glücksritter an, die auf eigene Faust im Schlamm graben - Menschen mit dem Traum von dem einen kostbaren Fund, der sie aus der Armut herauskatapultiert. Ein guter Stein von einem Kilo kann bis zu eine Million Dollar bringen.

Regelmäßig kommt es zu schweren Erdrutschen in den Abbaugebieten. Erst vor fünf Jahren starben bei einer ähnlichen Katastrophe 116 Menschen.  

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juli 2020 um 12:34 Uhr.