Myanmar, Rangun: Ein Demonstrant skandiert vor einer Reihe von Bereitschaftspolizisten Parolen. | dpa

Myanmar Polizei geht hart gegen Demonstranten vor

Stand: 27.02.2021 16:05 Uhr

Seit dem Militärputsch in Myanmar Anfang Februar gibt es immer wieder Proteste. In mehreren Städten kam es dabei erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei. Dabei fielen auch Schüsse. Und offenbar gab es viele Festnahmen.

In Myanmar sind Sicherheitskräfte erneut gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. In der größten Stadt Yangon feuerte die Polizei an mehreren Orten, an denen sich die Demonstranten zu Kundgebungen gegen die Junta versammelt hatten, Schüsse ab und nahm mehrere Teilnehmer fest, wie Augenzeugen in sozialen Netzwerken berichteten. Laut Medienberichten wurde in der Stadt Monywa eine Frau erschossen. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.

Auch ist nicht klar, wie viele Menschen festgenommen wurden. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf Polizeikreise, es habe mehr als 140 Festnahmen gegeben. Nach Angaben eines Vertreters der Menschenrechtsorganisation AAPP seien es "definitiv Hunderte" gewesen. Man versuche nun, die Namen der Festgenommenen herauszufinden.

Gummigeschosse abgefeuert

Laut einem Reporter von AFP feuerte die Polizei Gummigeschosse ab, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Ob scharf geschossen wurde, ist unklar. Die Polizei vertrieb demnach Protestierende und Journalisten von der Myaynigone-Straßenkreuzung, an der sich bereits am Freitag Sicherheitskräfte und Demonstranten gegenübergestanden hatten. Die Militärjunta hat Versammlungen von mehr als fünf Personen verboten.

Auch aus anderen Städten wurde ein massives Vorgehen der Sicherheitskräfte gemeldet, die unter anderem Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten einsetzten. Nach einem Bericht des Online-Portals "Myanmar Now" gerieten in Yangon auch Journalisten, die über die Proteste berichteten, ins Visier der Polizei.

Anfang Februar hatte das Militär in Myanmar gegen Regierungschefin Aung San Suu Kyi geputscht. Die 75-Jährige hatte die Parlamentswahl im November mit klarem Vorsprung gewonnen. Seit dem Umsturz hatte es immer wieder Massenproteste in Myanmar gegeben. Die Demonstranten fordern die Freilassung der festgesetzten Regierungschefin und die Wiedereinsetzung ihrer zivilen Regierung. Das Militär hat zuletzt mit zunehmender Härte gegen die Widerstandsbewegung durchgegriffen.

Parlamentswahl für ungültig erklärt

Der von der Militärjunta eingesetzte neue Chef der Wahlkommission in Myanmar hat unterdessen das Ergebnis der Parlamentswahl vom November für ungültig erklärt. Thein Soe habe die Entscheidung am Freitag bei einem Treffen mit politischen Parteien des südostasiatischen Landes mitgeteilt, berichtete die Zeitung "The Irrawaddy".

UN-Botschafter nach Hilfsappell entlassen

Einen Tag nach seiner Kritik am Militärputsch in Myanmar ist der Botschafter des Landes bei den Vereinten Nationen nach staatlichen Angaben entlassen worden. Kyaw Moe Tun habe "das Land betrogen" und "Macht und Verantwortlichkeiten eines Botschafters missbraucht", hieß es zur Begründung laut einem Bericht des staatlichen Fernsehsenders MRTV.

Allerdings haben die Vereinten Nationen Myanmars neue Militärführung nicht anerkannt. Der Diplomat hatte in der UN-Vollversammlung um Hilfe zur Beendigung des Putsches gebeten und dabei betont, dass er im Namen der zivilen Regierung von Aung San Suu Kyi spreche. UN-Sonderberichterstatter Tom Andrews erklärte auf Twitter, er sei von dem Mut des Botschafters überwältigt. "Es ist an der Zeit, dass die Welt auf diesen mutigen Appell mit Taten antwortet."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Februar 2021 um 09:20 Uhr.