Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch | Bildquelle: AP

Suu Kyi äußert sich zu Rohingya Myanmar räumt Fehler ein

Stand: 13.09.2018 11:50 Uhr

Myanmars De-facto-Regierungschefin Suu Kyi hat Fehler im Umgang mit der Rohingya-Krise eingeräumt. Zugleich rechtfertigte sie das brutale Vorgehen der Armee gegen Muslime - ebenso wie die Verhaftung von Journalisten.

Nach langem Schweigen hat die Regierung von Myanmar Defizite im Umgang mit der Rohingya-Krise eingeräumt. "Im Nachhinein denke ich natürlich, dass man die Situation besser hätte handhaben können", sagte De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi auf dem Weltwirtschaftsforum der südostasiatischen Staatengemeinschaft in Vietnams Hauptstadt Hanoi.

San Suu Kyi | Bildquelle: AP
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Der Umgang mit der Rohingya-Krise hätte "besser" laufen können, sagte San Suu Kyi auf dem Weltwirtschaftsforum in Hanoi. Zugleich rechtfertigte die Friedensnobelpreisträgerin den brutalen Armee-Einsatz.

700.000 Menschen nach Bangladesch geflohen

Zugleich rechtfertigte die Friedensnobelpreisträgerin das brutale Vorgehen der Armee erneut. Man müsse alle Gruppen im Myanmar schützen. Den Streitkräften werden Morde, Massenvergewaltigungen und Folter an der Volksgruppe der Rohingya vorgeworfen. Seit Beginn einer brutalen Kampagne des Militärs im August 2017 flohen mehr als 700.000 Angehörige der muslimischen Minderheit ins benachbarte Bangladesch.

"Nicht inhaftiert, weil sie Journalisten sind"

Suu Kyi verteidigte außerdem die Verurteilung zweier Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, die bei Recherchen zu den Gräueltaten an den Rohingya im Dezember festgenommen worden waren. Der Fall habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sagte sie. Die beiden seien nicht inhaftiert worden, weil sie Journalisten seien, sondern weil sie ein Gesetz gebrochen hätten. Aber sie könnten in Berufung gehen. Ein noch aus britischer Kolonialzeit von 1923 stammende Gesetz verbietet Handlungen, die "der Sicherheit oder den Interessen des Landes abträglich" sind.

Die beiden Reporter Wa Lone und Kyaw Soe Oo waren Anfang September wegen Verrats von Staatsgeheimnissen zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Human Rights Watch kritisierte Suu Kyis Aussagen auf dem Wirtschaftsforum scharf. Rechtsstaatlichkeit bedeute, dass Beweise vor Gericht respektiert würden und die Justiz vom Einfluss von Regierung und Militär gewahrt werde, sagte Vize-Asienchef Phil Robertson.

UN werfen Myanmar Völkermord vor

Am Mittwochabend war bekannt geworden, dass Suu Kyi wie bereits im vergangenen Jahr der UN-Vollversammlung in den kommenden zwei Wochen fernbleiben wird. Die einstige Freiheits-Ikone steht wegen der Verfolgung der Rohingyas seit längerem in der Kritik. Menschenrechtler und die UN werfen Myanmar Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Ende August erklärte eine UN-Untersuchungskommission, dass führende Generäle deswegen vor Gericht gebracht werden müssten. Auch die Regierung habe eine Mitschuld. Suu Kyi führt diese als "Staatsrätin", Schlüsselposten sind mit Generälen besetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. September 2018 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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