Ein Streifen des Regenwalds des Amazonas nahe der brasilianischen Stadt Manaos wird durch Brände gerodet. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Minister Müller in Brasilien Reden über den Regenwald

Stand: 08.07.2019 00:02 Uhr

Entwicklungsminister Müller ist mit ehrgeizigen Zielen nach Brasilien geflogen: Er will den Regenwald retten. Doch Präsident Bolsonaro hält von Klimaschutz wenig. Er hat andere Prioritäten.

Von Nina Barth, ARD-Hauptstadtstudio

Brasilien, das ist das Land mit der größten Artenvielfalt weltweit, dem größten noch verbliebenen Regenwald der Erde, die grüne Lunge der Welt. Der Regenwald ist von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel.

"Zerstören wir den Regenwald, zerstören wir das Klima", sagt Entwicklungsminister Gerd Müller. Der Klimaschutz, der Kampf gegen die Abholzung der Regenwälder - das ist es, was ihn nach Brasilien führt.

"Wir haben eine Vielzahl von Programmen zum Schutz des Regenwaldes. Und unter Klima-Gesichtspunkten ist es ausgesprochen wichtig, mit der neuen brasilianischen Regierung jetzt intensive Gespräche zu führen."

Brandrodungen für den Soja-Anbau

Denn die bisherigen Äußerungen des neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zeigen, dass er eher wenig von Klimaschutz hält. Er will den Regenwald lieber für wirtschaftliche Zwecke erschließen. Und dann gibt es da noch die Befürchtung, dass das geplante EU-Mercosur-Freihandelsabkommen dazu führen könnte, dass noch mehr Regenwald für Anbauflächen abgeholzt wird.

Ein Streifen des Regenwalds des Amazonas nahe der brasilianischen Stadt Manaos wird durch Brände gerodet. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Ein Streifen des Regenwalds des Amazonas nahe der brasilianischen Stadt Manaos wird durch Brände gerodet.

Müller fordert deshalb, sich nicht nur einfach über die Soja-Importe zu unterhalten, sondern im Rahmen des Handelsabkommens eine Zertifizierung der Soja-Importe aus Brasilien zu erreichen. Das heißt: "Kein Soja-Import nach Europa, der auf Flächen angebaut wird, die durch Brandrodung des Regenwaldes gewonnen wurden."

Zusicherung zum Pariser Klimaabkommen

Müller betont, dass Brandrodungen zu etwa 15 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes führten. Auch deshalb hat der Entwicklungsminister angekündigt, das Ziel eines verbindlichen Zertifizierungsabkommens beim Import von Soja und Palmöl zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu machen. Und er will es in Brasilien ansprechen. Genauso die Frage nach dem Pariser Klimaabkommen.

Erntemaschinen fahren über ein Sojafeld in der Nähe des Ortes Morro Azul. Die Nachfrage nach Soja ist in China gigantisch. Auch Europa bietet sich als Absatzmarkt an. | Bildquelle: dpa
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Erntemaschinen fahren über ein Sojafeld in der Nähe des Ortes Morro Azul. Die Nachfrage nach Soja ist in China gigantisch. Auch Europa bietet sich als Absatzmarkt an.

Müller hat ehrgeizige Ziele in Brasilien. Ein Streitpunkt ist der Amazon Fund. Der wurde 2008 eingerichtet. Geldgeber sind Deutschland und Norwegen, die Oberaufsicht hat die Brasilianische Entwicklungsbank. Ziel war eigentlich, den Regenwald zu erhalten, Areale neu aufzuforsten. Doch die Regierung Bolsonaro hat anderes vor. Sie will mit den Geldern des Fund Landbesitzer entschädigen, deren Boden nun in Schutzzonen liegt. Norwegen und Deutschland froren die Zahlungen ein. Ein Treffen zwischen Brasiliens Umweltminister sowie den deutschen und norwegischen Botschaftern am Mittwoch blieb ohne Ergebnis.

Müller will zum einen erreichen, dass der Fund wieder seine ursprünglichen Aufgaben bewältigen kann. Zweitens hofft er, Brasilien die Zusicherung abringen zu können, aktiv das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. Und drittens: "eine Zusage, bis 2030 - so ist die Vereinbarung jetzt - einen absoluten Stopp der Brandrodung in Brasiliens Regenwäldern durch die Regierung zu erhalten."

Ein straffes Programm

Ob er diese Zusagen bekommt, ist mehr als fraglich. Aber Müller sagt, miteinander reden sei besser als übereinander. Die politischen Gespräche sind das eine, das andere sind soziale Fragen.

Der Regenwald im brasilianischen Amazonasgebiet in Mato Grosso. Die brasilianische Regierung will weiter Flächen für die Soja-Industrie abroden lassen | Bildquelle: dpa
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Der Regenwald im brasilianischen Amazonasgebiet in Mato Grosso. Die brasilianische Regierung will weiter Flächen für die Soja-Industrie abroden lassen

"Ich beschäftige mich auch mit den sozialen Problemen Brasiliens, insbesondere in Sao Paulo. Denn das Land hat ja die größten Unterschiede zwischen Reich und Arm", sagt er. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sei im Bereich der Armutsbekämpfung mit sozialen Projekten sehr engagiert, wirbt Müller. Auch von denen will er einige besuchen. Der Entwicklungsminister hat ein straffes Programm vor sich. Knapp eine Woche ist er in Brasilien unterwegs.

Regenwald und Klimaschutz - Entwicklungsminister reist nach Brasilien
Nina Barth, ARD Berlin
05.07.2019 18:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 08. Juli 2019 um 06:35 Uhr.

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