Vor der brennenden Polizeistation in Minneapolis protestieren zahlreiche Menschen  | dpa

Gegen US-Polizeigewalt Die Wut wächst

Stand: 29.05.2020 09:25 Uhr

In den USA weiten sich die Proteste nach eskalierter Polizeigewalt gegen einen Schwarzen aus. In Minneapolis wurde eine Polizeiwache in Brand gesetzt. US-Präsident Trump drohte den "Rowdys".

In der US-Großstadt Minneapolis ist es nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz erneut zu Ausschreitungen gekommen. Auf Videos war zu sehen, wie Demonstranten ein Polizeirevier betraten und Feuer legten.

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Minnesota, Tim Walz, hatte auf Bitte des Bürgermeisters von Minneapolis zuvor bereits die Nationalgarde aktiviert, diese griff aber nicht ein. Sie twitterte, ihre Hauptaufgabe sei, die Feuerwehr zu unterstützen. Feuerwehrchef John Fruetel sagte dem Fernsehsender CNN, seine Leute hätten das Revier nicht erreichen können.

Gebäude evakuiert

Vor dem Polizeigebäude in Minneapolis riefen Dutzende Demonstranten "Keine Gerechtigkeit - kein Frieden" ("No Justice, No Peace"), wie die "Washington Post" berichtete. Nach Polizeiangaben war das Gebäude kurz nach 22 Uhr Ortszeit evakuiert worden. Derzeit ist unklar, wie viele Polizeikräfte in dem Stadtteil überhaupt noch im Einsatz sind. In Minneapolis gilt bereits der Ausnahmezustand.

US-Präsident Donald Trump äußerte sich zu den Unruhen. "Habe gerade mit Gouverneur Tim Waltz gesprochen und ihm gesagt, dass das Militär ganz auf seiner Seite steht", twitterte Trump gestern Abend. "Irgendeine Schwierigkeit und wir werden die Kontrolle übernehmen, aber wenn die Plünderungen beginnen, beginnt das Schießen."

Bürgermeister Jacob Frey warf er "einen völligen Mangel an Führung" vor. Entweder, der "radikale Linke" reiße sich zusammen "oder ich schicke die Nationalgarde, um den Job erledigt zu bekommen". Die Demonstranten bezeichnete er als "Rowdys", die das Andenken an George Floyd, den bei der Festnahme umgekommenen Schwarzen, entehrten. Das werde er nicht zulassen.

Demonstranten vor der Polizeistation in Minneapolis | AFP

Demonstranten vor der Polizeistation in Minneapolis Bild: AFP

Seit Dienstag kommt es in Minneapolis zu nächtlichen Ausschreitungen. Auslöser ist der Tod Floyds, den Polizisten am Montag nach einem Notruf wegen eines mutmaßlichen Zahlungsversuchs mit einem gefälschten Geldschein vor einem Supermarkt festgenommen hatten. Auf einem vielfach im Internet geteilten Handyvideo einer Passantin ist zu sehen, wie ein weißer Polizist fast acht Minuten lang sein Knie auf Floyds Hals drückt. Immer wieder stöhnt der gefesselt am Boden liegende Mann, dass er nicht atmen könne und Schmerzen habe.

Lautstarke Protestrufe von Schaulustigen über das Vorgehen ignorieren die beteiligten Beamten. Später wurde Floyd von Sanitätern in eine Klinik gebracht, wo er für tot erklärt wurde. Er wurde 46 Jahre alt. Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, dass Floyd sich der Festnahme widersetzt habe. Als ihm Handschellen angelegt worden seien, hätten die Beamten bemerkt, dass er in einer medizinischen Notlage zu sein schien.

Nach dem öffentlichen Aufschrei über die Szenen von Floyds Festnahme wurden der Beamte und seine drei beteiligten Kollegen suspendiert. Die Polizei von Minneapolis leitete eine interne Untersuchung ein, und Bürgermeister Frey forderte ein Strafverfahren gegen den Polizisten. Inzwischen ermittelt auch das FBI wegen einer möglichen Verletzung der Bürgerrechte Floyds.

Proteste in mehreren Bundesstaaten

Proteste, Demonstrationen, aber auch Ausschreitungen werden mittlerweile aus vielen US-Städten gemeldet, etwa aus St. Paul, der "Zwillingsstadt" von Minneapolis und Hauptstadt Minnesotas.

In Louisville im US-Staat Kentucky wurden mindestens sieben Demonstranten von Polizisten angeschossen und mehrere Menschen festgenommen. Das bestätigte die Louisville Metro Police. In Louisville demonstrierten Menschen, weil Polizisten eine schwarze Frau, Breonna Taylor, Mitte März in ihrer Wohnung erschossen hatten. Die 26-Jährige wurde von acht Polizeikugeln getroffen, nachdem Drogenfahnder ihre Wohnungstür eingeschlagen hatten. In ihrer Wohnung wurden keine Drogen gefunden. Taylors Fall hatte US-weites Aufsehen erregt, nachdem ihre Familie in diesem Monat die Polizei verklagte.

Auch in Denver kam es zu Protesten. Örtliche Medien berichteten dort über Schüsse. Laut Polizei wurden zunächst keine Verletzten gemeldet. Proteste werden auch aus Phoenix, der Hauptstadt Arizonas, gemeldet.

Mit Informationen von Verena Bünten und Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete das ARD-morgenmagazin am 29. Mai 2020 um 08:07 Uhr.