Microsoft wird 40 Jahre alt Pionier ohne Anschluss

Stand: 04.04.2015 05:59 Uhr

Auf den Tag genau 40 Jahre ist es her, dass Bill Gates und Paul Allen Microsoft gründeten. Die Firma war ein Pionier und verschaffte ihren Gründern ungeheuren Reichtum. Doch der Platzhirsch Microsoft verschlief mit stolzgeschwellter Brust wichtige Entwicklungstrends.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Das schien sogar Bill Gates zu freuen: Als er 2007 bei der Technik-Konferenz D5 gemeinsam mit seinem Wegbegleiter und ewigen Konkurrenten Steve Jobs interviewt wurde, musste der Apple-Gründer, gefragt, was Gates wichtigster Beitrag für die Computerindustrie sei, nicht lange nachdenken. Bill habe die erste Softwarefirma gegründet, sagte Jobs, und das, bevor irgendjemand sonst wusste, was das überhaupt war.

Microsoft-Gründer Bill Gates (rechts) und Paul Allen | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Microsoft-Gründer Bill Gates (rechts) und Paul Allen im Jahr 1981. (Foto: Microsoft/dpa)

Schon der Name Microsoft spiegelt diesen Ansatz: Gates war 19, als er am 4. April 1975 mit seinem Schulfreund Paul Allen zum Unternehmer wurde, damals noch in einem etwas schäbigen Büro in New Mexico. Sie hatten nur einen Kunden: Microsoft lieferte Altair Basic, eine Programmierplattform für den Altair 8800, der sich zum modernen PC ungefähr so ausnimmt wie ein Neandertaler zum Homo Sapiens. Nur Knöpfe und Schalter, kein Bildschirm, keine Tastatur, keine Maus.

"Eine brilliante Entscheidung"

Als fünf Jahre später der Auftrag des Computerriesen IBM kam, ein Betriebssystem für Personal Computer zu liefern, programmierte Gates das künftige MS-DOS nicht mehr selbst: "Als kluger Geschäftsmann wusster er, woher er ein Betriebssystem bekommen konnte und kaufte es einfach für 50.000 Dollar ein", erklärt sein Biograph James Wallace. "Als IBM dann aber Microsoft das System abkaufen wollte, traf Gates eine brilliante Entscheidung: Microsoft weigerte sich, die Rechte abzutreten."

Stattdessen lieferte Microsoft das Betriebssystem nicht nur an IBM, sondern auch an verschiedene andere Gerätehersteller, die für jeden einzelnen Rechner Lizenzgebühren zahlten. Als der PC vom Nischenprodukt zum Alltagsgegenstand wurde, machten die Gebühren Gates reich.

Was darauf folgte, ist Computergeschichte: 1983 brachte Microsoft die Textverarbeitung Word auf den Markt, 1985 die grafische Oberfläche Windows. Nach dem Börsengang von Microsoft 1986 war Gates mit 31 Jahren Milliardär. Mit Windows 95 war Microsoft in den Neunzigerjahren so erfolgreich, dass Vorwürfe laut wurden, die Firma missbrauche ihre Vormachtstellung. 1998 befragte das US-Justizministerium Bill Gates zu den Vorwürfen.

Das gerichtliche Hin und Her zog sich über Jahre, ab 2004 ermittelte auch die EU, und schließlich zahlte Microsoft umgerechnet fast eine halbe Milliarde Euro Strafe und verpflichtete sich, bestimmte Programme nicht mehr zwangsweise im Paket anzubieten. Doch dann stellte sich Microsoft selbst ein Bein, und das gleich mehrmals: Die neue Windows-Version Vista verägerte ab 2007 die Kunden mit umständlicher Bedienung.

Großspurige Liebesbekenntnisse

2008 gab Bill Gates die Firmenleitung an seinen Freund Steve Ballmer ab und widmete seine Zeit und sein Geld wohltätigen Zwecken. Ballmer, im Gegensatz zum eher schüchternen Gates ein bulliger Vertretertyp, fiel weniger durch kluge strategische Entscheidungen auf als durch großspurige Liebesbekenntnisse an seine Firma: "I love this company!", sagte er einmal.

Mit stolzgeschwellter Brust verschlief Microsoft den Megatrend Internet - bis heute versucht Microsofts Suchmaschine Bing, dem Platzhirschen Google Marktanteile abzunehmen. Und auch Apples iPhone hatte Microsoft zunächst nur wenig entgegenzusetzen. Während Apple riesige Gewinne einfährt und Googles Android-System heute auf vier von fünf Smartphones läuft, haben Windows-Telefone nur einen geschätzten Marktanteil unter 5 Prozent.

Nadella will umbauen

Steuert Microsoft also auf den Niedergang zu? "Noch nicht", sagt Satya Nadella. Er hat vor etwas mehr als einem Jahr die Leitung des Unternehmens übernommen und verweist auf die 1,5 Milliarden Menschen in aller Welt, die Windows nutzen - und sei es, weil der Arbeitgeber das so entschieden hat.

Microsoft-Chef Satya Nadella
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Satya Nadella hat vor etwas mehr als einem Jahr die Leitung des Unternehmens übernommen.

Nadellas Ziel: Die Leute sollen Windows nicht einfach nur verwenden, weil sie es brauchen, sondern sich bewusst dafür entscheiden und es lieben. Gleichzeitig räumt er im Unternehmen auf: Er will 18.000 der 127.000 Stellen streichen. Microsoft, die dominierende Firma der PC-Branche, versucht Anschluss zu finden in einer Welt, in der PCs zunehmend von Smartphones, Tablets und Server-Diensten in der Cloud ersetzt werden.

Microsoft macht heute vieles anders als früher: Das ehemals teure Office-Paket ist für wenige Euro im Monate als Abo zu haben. Das Update auf Windows 10 wird zunächst kostenlos sein und soll Kritikpunkte des Vorgängers ausbügeln. Noch in diesem Jahr soll es auf den Markt kommen. Erste Rückmeldungen von Technikjournalisten sind durchaus positiv. Doch Nadella dürfte klar sein: Über Microsofts Erfolg entscheiden am Ende nicht die Experten, sondern einzig und allein die Kunden.

Dieser Beitrag lief am 04. April 2015 um 08:10 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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