Ein Einschussloch ist nahe der Stelle, an dem ein Angreifer am Tag zuvor von der Polizei erschossen wurde, im Fenster eines Cafés zu sehen. | Bildquelle: AP

Messerangriff in Paris Angreifer als Gefährder bekannt

Stand: 13.05.2018 17:04 Uhr

Wieder ein islamistisches Attentat, wieder hat es Paris getroffen. Während in der französischen Hauptstadt die Normalität zurück ist, werden immer mehr Details über den Angreifer bekannt.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Es war, als wolle Anne Hidalgo einmal nachschauen, ob denn wirklich auch alles wieder gut sei. Gegen Mittag lief die Oberbürgermeisterin von Paris durch die Straßen in der Nähe der Oper, wo gestern Abend kurzzeitig Panik geherrscht hatte, als ein junger Mann "Alluha Akba" schreiend wahllos auf Passanten eingestochen hatte. Die Normalität war längst zurück, die Kameras, an denen die Bürgermeisterin schließlich Halt machte, nicht wirklich zahlreich:

"Man fragt sich immer sofort, ob dieser Alptraum schon wieder zurückkommt. Gestern Abend habe ich hier bereits den Polizisten gedankt und ich konnte Menschen treffen, die in den Restaurants waren, Anwohner und Touristen. Ich glaube, alle haben das Gefühl, dass wir weiterhin bedroht sind. Und gleichzeitig wissen sie traurigerweise um die Erfahrung und Routine, die dafür sorgt, dass der Zugriff schnell und wirkungsvoll ist."

Neun Minuten zwischen Notruf und Schüssen

In der Tat waren vom ersten Notruf bis zu den tödlichen Schüssen der Polizisten gerade einmal neun Minuten vergangen. Viele Restaurantgäste in dem belebten Viertel hatten sogar den Täter mit Blut an der Jacke vorbeilaufen sehen, die Tragweite aber kaum wahrgenommen oder aber auch gar nicht wahrnehmen wollen, erzählte Koni, eine Augenzeugin, im Fernsehsender BFMTV:

"Es brach draußen plötzlich Panik aus. Jemand rannte vorbei und schrie um Hilfe. Wir sind alle unter die Tische gekrochen. Dann gab es draußen eine zweite Panikbewegung. Schließlich haben wir uns aufgerafft und weitergegessen. Als wir gesehen haben, dass die Polizei eingetroffen ist, haben wir uns gesagt, dass wir ja jetzt relativ sicher sind."

Immer mehr Details über den Täter

Im Laufe des heutigen Tages wurde dann über den Täter immer mehr bekannt: Es handelte sich um einen im Jahr 1997 in Tschetschenien geborenen Mann, der seit 2010 die französische Staatsbürgerschaft hatte. Bei den Geheimdiensten wurde er in einem Register für möglicherweise religiös Radikalisierte geführt - so, wie fast alle Attentäter der vergangenen Monate und Jahre in Frankreich auch.

Vor allem von rechter und ganz rechter Seite kamen über Twitter reflexartig die Forderungen, härter gegen Ausländer vorzugehen, die wegen möglicher Radikalisierung aktenkundig sind. Wie immer ohne Rücksicht darauf, dass der Täter quasi seit seiner Kindheit Franzose war und dass ein Vermerk im Register keinerlei juristisches Vergehen bedeutet.

Die französischen Behörden nahmen einen mutmaßlichen Freund des Messerangreifers fest. Auch die Eltern des Angreifers wurden verhört.

Polizisten bewachen den Tatort in Paris | Bildquelle: AFP
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Polizisten bewachen den Tatort in Paris, an dem es am späten Samstagabend zu einer tödlichen Messerattacke gekommen ist.

Leben nimmt seinen normalen Gang

Innenminister Gérard Collomb rief am Vormittag seinen Sicherheitsstab zusammen, gab sich in einem kurzen Pressestatement fast etwas resigniert: "So eine Art von Attentat kann leider überall in Frankreich passieren. Man sieht, wie einfach diese Waffe war - ein Messer. Ja, das lässt sich kaum verhindern, auch wenn wir unser Bestes geben."

Viele Französinnen und Franzosen scheinen sich damit abgefunden zu haben, jedenfalls lief das Leben an diesem Sonntag, dem Muttertag, seinen normalen Gang. Präsident Emmanuel Macron befand sich im Wochenendurlaub und brach diesen nicht ab. Auch das sollte wohl ein Zeichen in Richtung der Terroristen sein.

Paris am Tag nach dem Attentat
Marcel Wagner, ARD Paris
13.05.2018 15:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Mai 2018 um 12:04 Uhr.

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