Der menschenleere Strand von Es Molinar auf Mallorca. | Bildquelle: dpa

Tourismus in Corona-Zeiten Mallorca vor verlorener Saison

Stand: 28.04.2020 13:39 Uhr

Die Balearen sind stark vom Tourismus abhängig. Durch Corona könnte ein Drittel der Jobs wegbrechen. Die letzte Hoffnung für den Sommer liegt auf Gästen aus dem eigenen Land.

Von Marc Dugge und Brigitte Kramer, ARD-Studio Madrid

"Dieses Jahr wird eine schwere Prüfung", sagt José. In Wirklichkeit heißt er anders, er will seinen Namen aber nicht in den Medien sehen. Normalerweise würde er jetzt in einem Vier-Sterne-Hotel an der Rezeption stehen, aber die Hotels auf Mallorca sind schon seit Wochen dicht. Und daran dürfte sich auch so schnell nichts ändern.

Nichts ist mehr planbar

"Ich habe in diesem Jahr nur einige Tage beim Saisonstart etwas verdient, jetzt warte ich auf das Kurzarbeitergeld. Meine Frau geht auch in Kurzarbeit. Wir müssen in der kommenden Zeit sehr aufs Geld achten", sagt er. "Alles ist unsicher."

Immerhin wird José erstmal 70 Prozent seines Gehalts bekommen - rund 850 Euro. Wann sein Hotel wieder öffnet, hängt davon ab, wie sich die Epidemie entwickelt - und welche Schritte die spanische Regierung unternimmt.

Vielleicht etwas Tourismus ab August

Vor August werde allerdings wohl wenig passieren, so Iago Negueruela, Wirtschaftsminister der Balearen: "Wir erwarten, dass der Tourismus im August sehr langsam wieder loslegen und dann in den Folgemonaten leicht zunehmen wird. Im Vergleich zum Vorjahr wird sich das auf einem sehr niedrigen Niveau bewegen. Aber wir glauben schon, dass es sich lohnt, auf den August zu setzen."

Das Coronavirus wird die Balearen hart treffen: Die lokale Wirtschaft ist zu einem großen Teil vom Tourismus abhängig. Der Minister rechnet daher damit, dass die Wirtschaftsleistung der Region um rund ein Drittel einbrechen wird und dass knapp ein Drittel aller Jobs wegfällt.

Wie hart die Corona-Krise für Mallorca wirklich wird, hängt auch davon ab, wie lange es noch Reisebeschränkungen in Europa geben wird: Ob etwa Deutsche im Sommer ohne Probleme auf die Insel und auch wieder nach Hause können.

Selbst jene, die auf Mallorca einen Zweitwohnsitz besitzen, kommen dort gerade nicht hin. Frank Heuberger aus Frankfurt zum Beispiel. Er besitzt auf Mallorca ein Haus in einer Wohnanlage. Zusammen mit seinen Nachbarn hat er einen Brief an die Präsidentin der Regionalregierung der Balearen verfasst.

Deutsche mit Zweitwohnsitz suchen Weg auf Insel

Darin fragen sie, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, eine Regelung zu finden, die es Besitzern von Zweitwohnungen ermöglichen würde, wieder auf die Insel zu kommen. "Zumal diejenigen, die dort ihr Häuschen oder ihr Apartment haben, schon sehr mit der lokalen Wirtschaft verbandelt sind."

Der lokale Gemüsehändler oder Handwerker würde von den Ausländern profitieren, so Heuberger, was wiederum der Wirtschaft der Insel zugute käme.

Wie er haben viele Deutsche der Inselregierung geschrieben - manche höflich wie Heuberger, manche auch ruppiger: "Wir können es nicht verstehen, dass wir sehr hohe Steuern zahlen und trotzdem nicht mehr auf die Insel kommen können, um unsere Immobilie zu nutzen", heißt es da. Und: "Zerstören Sie nicht das Vertrauen der Investoren!"

Forderungen verärgern Einheimische

Auf der Insel sorgen die scharfen Töne für Ärger. "Die Ausländer, die Häuser gekauft haben, um hier ihre Ferien zu verbringen, Immobilienspekulation zu betreiben oder Geschäfte zu machen, werden nicht die Maßnahmen ändern, die die Ausbreitung der Covid-Epidemie bremsen sollen", heißt es in einem Kommentar der lokalen Zeitung "Ara Balears". Die Rechte und Freiheiten der Bürger scherten diese Ausländer in Wirklichkeit "nicht die Bohne".

Mallorca | Bildquelle: dpa
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Voller Strand von El Arenal: Das gehört erst einmal der Vergangenheit an.

Diejenigen, die sich derzeit auf Mallorca befinden, sind bei der Debatte geteilter Meinung: "Ich bin hier seit zwölf Jahren Residentin, wir haben keinen Wohnsitz mehr in Deutschland", sagt eine Anwohnerin. "Dass die anderen rüberkommen wollen, finde ich nicht so toll. Man muss ja nicht durch die Gegend reisen und den Virus noch weiter verteilen."

Keine Ausnahmeregelungen

Die Inselpräsidentin Francina Armengol hat auf die Schreiben schon geantwortet und klar gemacht, dass es keine Ausnahmen für einzelne Nationalitäten geben werde. Nach dem Alarmzustand werde sie sich um eine allmähliche Rückkehr zur Normalität einsetzen.

Der spanische Transportminister José Luis Abalos hat für die Lage der Deutschen Verständnis. Auf Anfrage des ARD-Studios Madrid sagte er: "Viele Deutsche haben eine Wohnung in Spanien - wir wollen, dass sie sie genießen können. Damit das sobald wie möglich geschehen kann, müssen wir sehen, ob beide Länder auf verbindliche und verantwortungsvolle Weise Möglichkeiten finden können, bei denen auch die gesundheitliche Sicherheit garantiert ist."

Vorteile für Inlandstouristen

Auf Mallorca ruhen in diesem Sommer jedenfalls erstmal die Hoffnungen auf den Spaniern. Francisco Mulet vom Verband der balearischen Reisebüros sagt: "In diesem Jahr wird man auf inländische Touristen setzen. Für Gäste aus dem Rest Europas wird es viele Hindernisse geben. Wir haben vorgeschlagen, dass alle spanische Touristen zeitweise in den Genuss des Anwohnerrabatts kommen."

Anwohner der Balearen bekommen stolze 75 Prozent Ermäßigung bei Flügen aufs Festland. Mulet hofft, dass dank der Schnäppchenpreise für die Flüge die Hotels auf Mallorca wenigstens etwas gefüllt werden.

Im vergangenen Jahr kamen mehr als 13 Millionen Touristen auf die Inseln, gerade einmal 15 Prozent von ihnen waren Spanier. Das könnte sich nun ändern. Und: Sie dürften sich auf herrlich leere Strände freuen.

 

Mallorca vor ungewisser Touristensaison
Marc Dugge, ARD Madrid
28.04.2020 12:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. April 2020 um 12:07 Uhr.

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