Die schwedische Lyrikern Katarina Frostenson | Bildquelle: dpa

Literaturnobelpreis Frostenson verlässt die Akademie

Stand: 18.01.2019 16:42 Uhr

Monatelang kämpfte die Schwedische Akademie mit einem handfesten Skandal, sagte sogar die Vergabe des Literaturnobelpreises 2018 ab. Nun verlässt ihr umstrittenstes Mitglied das Gremium - und bekommt dafür eine Entschädigung.

Die Lyrikerin Katarina Frostenson tritt nach monatelangem Streit aus der Literaturnobelpreis-Akademie aus. Sie habe beschlossen, die Schwedische Akademie zu verlassen, teilte die Institution mit.

Laut der Mitteilung einigten sich Frostenson und die Akademie auf eine monatliche Entschädigung in Höhe von 12.875 Schwedischen Kronen (rund 1250 Euro). Außerdem soll sie Unterstützung dafür bekommen, damit sie weiter in der Wohnung leben könne, die sie von der Akademie gemietet habe. Man sei gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass ein gerichtliches Verfahren in dem Streit keinen Sinn ergebe.

Die Akademie verwies auf die langjährigen Verdienste der 65-Jährigen, die sich persönlich am Freitag zunächst nicht zu der Vereinbarung äußerte. In den mehr als 25 Jahren ihrer Arbeit für das Gremium habe sie sich pensionsähnliche Ansprüche verdient. Frostenson war seit 1992 Akademiemitglied, hatte ihre Arbeit aber im Zuge des Streits im April 2018 niedergelegt.

Jean-Claude Arnault wird aus dem Stockholmer Gericht abgeführt (Archivbild vom 14.11.2018). | Bildquelle: AP
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Der Regisseur Jean-Claude Arnault wurde Ende 2018 wegen Vergewaltigung verurteilt.

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Frostenson Ehemann

Der Skandal innerhalb der Organisation dreht sich um Frostensons Ehemann, den Regisseur Jean-Claude Arnault, und um sie selbst. Arnault wurde Anfang Dezember von einem Berufungsgericht in Stockholm wegen Vergewaltigung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Wie bereits gegen das Urteil der Vorinstanz ging er dagegen in Berufung. 18 Frauen hatten ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen. Eine Untersuchung der Akademie bestätigte "unakzeptables Verhalten in Form von unerwünschter Intimität".

Außerdem wirft die Akademie Frostenson und Arnault vor, mehrfach die Gewinner des Literaturnobelpreises vorab ausgeplaudert sowie für einen von Arnault betriebenen Kulturklub Gelder der Akademie angenommen zu haben. Im Gegenzug beschuldigte die Dichterin die Akademie, ihren Verpflichtungen ihr gegenüber nicht nachgekommen zu sein. Das wies die Akademie zurück.

Skandal lähmt Akademie monatelang

Versuche, Frostenson per Abstimmung aus der Akademie auszuschließen, waren gescheitert. Der Streit hatte zu mehreren Rücktritten und letztlich auch dazu geführt, dass im vergangenen Jahr kein Literaturnobelpreis vergeben wurde. Ob 2019 ein Preisträger ausgezeichnet wird, ist unklar.

Vergangene Woche waren zwei zurückgetretene Mitglieder der Akademie in das Gremium zurückgekehrt. Kjell Espmark und Peter Englund teilten mit, das Beste für die Akademie müsse vor persönliche Konflikte gestellt werden. Es warte eine Menge Arbeit auf die Akademie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Oktober 2018 um 04:48 Uhr.

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