Regierungstreue Kämpfer bei Tajura/Libyen | Bildquelle: REUTERS

Kämpfe in Libyen Sorge um Zivilisten wächst

Stand: 08.04.2019 12:21 Uhr

Die Kämpfe nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis treiben viele Bewohner in die Flucht. International wird ein Waffenstillstand zur Evakuierung von Verletzten gefordert. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini ist bereit zu vermitteln.

Vor den Kämpfen südlich der libyschen Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben der Vereinten Nationen binnen Tagen mindestens 2200 Menschen geflüchtet. Viele weitere seien in dem Gebiet eingeschlossen und könnten es wegen der andauernden Kämpfe nicht verlassen, erklärte das UN-Büro für Menschenrechte. Hilfsmannschaften können sie nicht erreichen. Beides sei Anlass zu großer Sorge.

Die USA forderten unterdessen ein sofortiges Ende der Kämpfe. Man verurteile die Militäroffensive der Truppen des Rebellen-Kommandeurs Chalifa Haftar, erklärte Außenminister Mike Pompeo. Der Vormarsch müsse unmittelbar beendet und Gespräche aufgenommen werden.

"Diese einseitige Militäraktion gegen Tripolis gefährdet Zivilisten und untergräbt die Aussichten auf eine bessere Zukunft für alle Libyer", erklärte Pompeo. Für den Konflikt gebe es keine militärische Lösung. Eine politische Lösung sei der einzige Weg, um das Land zu vereinen.

Mogherini: Persönliche Interessen überwinden

Die EU rief die verfeindeten Kriegsparteien in Libyen zu einem Waffenstillstand auf. Der sei dringend nötig, um die humanitäre Situation in dem Land zu verbessern, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini vor einem europäischen Außenministertreffen in Luxemburg. Zivilisten und Verwundete sollten evakuiert werden können.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini | Bildquelle: AFP
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Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini will helfen.

Sie bot Hilfe für Libyen an. In dem Land müssten Ressourcen, Macht und Verantwortung geteilt werden, erklärte sie. Die verschiedenen Gruppen und Anführer sollten ihre "vielleicht persönlichen Interessen" überwinden und dem Volk dienen, das eine Lösung wolle. "Wir werden da sein, um zu unterstützen", sagte Mogherini. Die internationale Gemeinschaft befürchtet eine Eskalation des Konflikts in Libyen.

EU ruft zu Waffenstillstand und politischen Gesprächen auf
Stephan Ueberbach, ARD Brüssel
08.04.2019 15:16 Uhr

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Viele Tote und Verletzte bei Kämpfen

Zuvor hatte bereits die UN-Gesandtschaft in Libyen zu einer zweistündigen Waffenruhe aufgerufen, um Zivilisten und Verwundete zu evakuieren. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der international anerkannten Regierung Libyens wurden bei den Kämpfen um Tripolis 32 Menschen getötet und 50 verletzt.

Haftars Truppen hatten am Freitag nach eigenen Angaben die südlichen Außenbezirke von Tripolis erreicht und die Kontrolle über den früheren internationalen Flughafen übernommen. Die international anerkannte Regierung Libyens hat einen eigenen Einsatz zur Verteidigung der Hauptstadt eingeleitet.

Die Vereinten Nationen pochten auf die Durchführung der seit langem geplanten Libyen-Konferenz. Dort soll ein Plan zur Vorbereitung von Wahlen verabredet werden. Die Konferenz ist für den 14. bis 16. April in der Stadt Ghadames angesetzt. Das ölreiche Libyen ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, die Europa erreichen wollen. Gegner Haftars werfen dem 75-jährigen vor, er wolle sich als neuer Diktator in Libyen etablieren.

Fajis al-Sarraj | Bildquelle: AFP
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Libyens international anerkannter Regierungschef Fayez-Al-Sarran.

Seit Diktator Muammar al-Gaddafi 2011 mit westlicher Hilfe gestürzt wurde, kämpfen Hunderte Milizen und Gangsterbanden um Einfluss. Immer wieder wechseln Allianzen und Fronten. Selbst in der Hauptstadt Tripolis im Westen Libyens sind mehr als zwei Dutzend Milizen aktiv; manche stehen zur international anerkannten Regierung von Fayez-Al-Sarran, andere nicht. Im Osten Libyens versucht eine Gegenregierung, ihre Interessen durchzusetzen. Mit ihr verbunden ist General Haftar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. April 2019 um 09:00 Uhr.

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