Lava fließt aus dem Cumbre Vieja auf der Kanareninsel La Palma. | dpa

Neuer Lavastrom La Palma kommt nicht zur Ruhe

Stand: 10.10.2021 16:17 Uhr

Drei Wochen nach dem Vulkanausbruch auf La Palma hat sich ein neuer Lavastrom gebildet, weitere Gebäude wurden zerstört. Auch bisher verschonte Flächen sind betroffen. Erneut kam es zu kleineren Erdstößen.

Nach dem Vulkanausbruch auf La Palma kommen die Bewohner der Kanareninsel weiter nicht zur Ruhe. Ein neuer Lavastrom, der sich am Samstag gebildet hatte, richtete heute weitere Zerstörungen an. Riesige Blöcke flüssiger Lava flossen einen Hügel hinunter. Nach Angaben des Spanischen Instituts für Geologie und Bergbau war die Magma dabei so hoch wie ein dreigeschossiges Gebäude.

Laut dem Institut für Vulkanologie der Kanaren hatte der Lavastrom eine Temperatur von bis zu 1240 Grad Celsius. In der Ortschaft Todoque seien dadurch die letzten noch stehenden Gebäude zerstört worden. Das Institut sprach von "enormen Zerstörungen". Menschen seien aber nicht in Gefahr.

Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles flog auf die Atlantik-Insel, um sich ein Bild von der Lage zu machen und bei den Einsatzkräften der Militärischen Nothilfeeinheit zu bedanken. Experten schätzen, dass der Vulkan noch lange aktiv bleiben werde.

Immer wieder kleinere Beben

Am Samstag war die Nordflanke des Vulkankegels im Gebirgszug Cumbre Vieja eingestürzt. Die heiße Masse trat aus und zog bisher verschonte Flächen in Mitleidenschaft. Da die betroffene Region schon zuvor evakuiert worden sei, habe niemand zusätzlich in Sicherheit gebracht werden müssen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf die Behörden.

Der Vulkan schleuderte eine Aschewolke bis in eine Höhe von 3,5 Kilometern. Immer wieder erschüttern auch kleine bis mittlere Erdbeben den Süden der Insel, das heftigste Beben hatte eine Stärke von 4,1. Behörden registrierten allein heute 21 kleinere Erdstöße bis zu einer Stärke von 3,8. Unter anderem in den Dörfern Mazo, Fuencaliente und El Paso zitterte die Erde.

Mehr als 1200 Gebäude zerstört

Die Schäden durch den Vulkanausbruch auf der kleinen Insel werden unterdessen immer größer. Seit der Vulkan im Süden La Palmas am 19. September erstmals nach 50 Jahren wieder aktiv wurde, hat die Lava schon mehr als 1200 Gebäude zerstört. Knapp 500 Hektar waren am Sonntag bereits von einer meterdicken Lavaschicht bedeckt.

Rund 6000 Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, waren weiter in Hotels oder bei Angehörigen untergebracht. Viele von ihnen werden nie mehr in ihre Häuser und Ortschaften zurückkehren können. Schwer betroffen ist vor allem der für die Insel immens wichtige Bananenanbau, von dem etwa die Hälfte der etwa 85.000 Einwohnern direkt oder indirekt lebt und der sich schon vor dem Vulkanausbruch in der Krise befand. Auch der Tourismussektor beklagt Verluste.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Oktober 2021 um 10:00 Uhr.