Zeitungen in der Slowakei berichten über die Ermordung des Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten. | Bildquelle: dpa

Attentat in der Slowakei Journalistenmord beauftragt?

Stand: 04.10.2018 12:54 Uhr

Im Februar wurden der slowakische Journalist Kuciak und seine Verlobte erschossen aufgefunden. Nun gibt es offenbar Hinweise, dass der Geschäftsmann Kocner den Mord beauftragt hat.

Von Lena Kampf, Jan Schmitt und Andreas Spinrath, WDR

Nach Informationen der slowakischen Zeitung "Dennik N" soll es Hinweise geben, dass der Geschäftsmann Marian Kocner den Mord an dem Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova in Auftrag gegeben hat. Das habe einer der inhaftierten Beschuldigten ausgesagt, berichtet die Zeitung.

Verhängnisvolle Recherchen

Das Paar war am 21. Februar 2018 in seinem Haus in der Kleinstadt Velka Maca erschossen worden. Kocner ist ein in der Slowakei bekannter und umstrittener Geschäftsmann. Kuciak, der für das Onlineportal aktuality.sk in der slowakischen Hauptstadt Bratislava arbeitete, hatte sich vor seinem Tod ausführlich mit den Geschäftspraktiken Kocners beschäftigt. Er hatte dabei immer wieder auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen, wie etwa mutmaßlichen Umsatzsteuerbetrug.

Im Oktober 2017 hatte Kocner Kuciak in einem Telefonat gedroht, ihn öffentlich fertig zu machen. In dem Mitschnitt, der dem WDR vorliegt, sagt Kocner, dass er sich "ganz besonders" Kuciak, seiner Persönlichkeit, seiner Mutter, seinem Vater und seinen Geschwistern widmen werde. Kuciak hatte die Bedrohung der Polizei gemeldet, aber aus der Anzeige war nach Einschätzung seiner Kollegen nichts gefolgt.

Mehrere Festnahmen

Ende vergangener Woche waren neun Personen in der Südslowakei festgenommen worden. Drei davon werden beschuldigt, die Morde an Kuciak und seiner Verlobten begangen zu haben. Darunter sind ein ehemaliger Polizeibeamter und ein ehemaliger Berufssoldat. Eine weitere Festgenommene ist Alena Z., die bisher von der Staatsanwaltschaft als Auftraggeberin bezeichnet wird. Sie soll den mutmaßlichen Tätern 70.000 Euro gezahlt haben. Kollegen, Familienangehörige von Kuciak und auch die Staatsanwaltschaft bezweifelten allerdings, dass Z. die tatsächliche Hinterfrau war. Der Anwalt der Familie sagte dem WDR, er gehe davon aus, dass Z. lediglich eine Mittelsfrau sei. Kocner, der nun beschuldigte Geschäftsmann, soll laut Medienberichten der Pate von Z.s Tochter sein. Außerdem soll Z. für ihn teilweise als Italienisch-Übersetzerin gearbeitet haben.

Ein Konterfei des ermordeten Investigativjournalisten Jan Kuciak steht vor den Räumen der Aktuality Redaktion. | Bildquelle: dpa
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Der Journalist Jan Kuciak hatte sich vor seinem Tod ausführlich mit den Geschäftspraktiken Kocners beschäftigt und dabei immer wieder auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen.

Bei einer Pressekonferenz am Montag hatten Ermittler noch gesagt, es "gebe keine Indizien, die eine intensive Beschäftigung mit Kocner sinnvoll erscheinen ließen". Eine offizielle Bestätigung der nun offenbar erfolgten Aussage des Beschuldigten seitens der Generalstaatsanwaltschaft ist bisher noch nicht erfolgt. Kocner bestreitet jede Tatbeteiligung. Die Staatsanwaltschaft hat mehrere Spuren verfolgt, unter anderem auch die Spur zu möglichen Mafiakreisen, über die der ermordete Journalist zum Zeitpunkt seines Todes recherchiert hatte.

Kocner sitzt seit Juni in der Slowakei in Haft. Gegen ihn wird wegen Betrugs und Steuerhinterziehung ermittelt. Hintergrund sind möglicherweise gefälschte Schuldscheine: Kocner und der ehemalige Wirtschaftsminister Pavol Rusko fordern vom privaten Fernsehsender Markiza TV 69 Millionen Euro, was das Ende des Senders bedeuten würde.

Journalistenfeindliches Klima

Rusko war früher einmal Geschäftsführer von Markiza TV und will in dieser Zeit Schuldscheine unterschrieben haben. Diese finden sich aber nicht in den Archiven von Markiza TV. Vor seiner Festnahme soll Kocner auch den slowakischen Journalisten Adam Valcek bedroht haben, der nach dem Tod Kuciaks zu Kocner recherchierte. Kocner soll Valcek damit gedroht haben, Informationen über ihn und seine Familie öffentlich zu machen. Valcek hatte Kocner angezeigt, die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Kocners Drohungen ordneten sich in der Slowakei in ein generell journalistenfeindliches Klima ein. Der nach Kuciaks Tod zurückgetretene Ministerpäsident Robert Fico nannte Journalisten 2016 "dreckige, anti-slowakische Huren".

Zu diesem Thema und dem Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Glalizia sendet die ARD am kommenden Montag um 22.45 Uhr die Story im Ersten "Schweig. Oder stirb. Warum mussten zwei Journalisten sterben?"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2018 um 23:40 Uhr.

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