US-Präsident Trump | Bildquelle: REUTERS

Deeskalation in Washington "Alles ist gut"

Stand: 08.01.2020 08:14 Uhr

Die USA hatten mit einem Vergeltungsschlag des Iran gerechnet - jetzt ist es passiert. Was macht Trump? Erste Reaktionen deuten auf Deeskalation hin.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die entscheidenden Stunden begannen in Washington am Dienstagnachmittag mit einer Pressekonferenz von Verteidigungsminister Mark Esper. Der Termin wurde vorgezogen - wie immer, wenn Washington im Winter Schnee erwartet. "Ich denke, wir sollten mit einem Vergeltungsschlag rechnen in irgendeiner Form. Entweder durch ihre Handlanger, wie sie es seit langem tun. Oder von eigener Hand."

Esper bereitete die Bevölkerung in den Vereinigten Staaten mit diesen Worten auf einen Vergeltungsschlag aus dem Iran vor. Vergeltung, weil das US-Militär vergangene Woche den Kommandeur der iranischen Al-Quds-Brigaden, Soleimani, im Irak getötet hatte. So konkret waren die Angaben aus dem Pentagon in den Tagen zuvor nicht gewesen. Jetzt hieß es: "Wir sind vorbereitet für jede Möglichkeit und dann werden wir passend reagieren."

Vier Stunden später geschahen die Angriffe

Das war um 14 Uhr Ortszeit. Gut vier Stunden später teilte die Sprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham, mit, dass Präsident Donald Trump informiert worden sei über iranische Angriffe auf irakische Militärstützpunkte.

Genauere Informationen kamen kurz darauf vom Pentagon: Iran hatte Militärstützpunkte im Nachbarland Irak mit ballistischen Raketen beschossen. Die Rede ist von Kurzstreckenraketen. Auf den Stützpunkten sind US-Soldaten stationiert, Vertragsarbeiter und Truppen der Koalition im Kampf gegen den IS.

Das US-Verteidigungsministerium ist sich sicher, dass die Raketen in Iran abgeschossen worden waren. Wie wird die Trump-Administration reagieren? Zumal der Präsident am Nachmittag der Führung in Teheran noch einmal gedroht hatte: "Wenn Iran etwas unternimmt, dass sie nicht tun sollten, dann werden sie unter den Folgen leiden."

Rhetorisch abrüsten, fordern die Demokraten

Großes Geschrei sei billig, sagte der Abgeordnete Eliot Engel im Fernsehsender CNN. Engel ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Kurz nach den Meldungen über Raketenangriffe im Irak warnte der Abgeordnete vor noch mehr Drohgebärden: "Das wäre unverantwortlich. Wir müssen jetzt rhetorisch abrüsten und einen Ausweg für uns finden. Denn ich glaube nicht dass die Amerikaner in den Krieg ziehen wollen."

Schon kurz darauf wurde klar: US-Präsident Trump wird in der Nacht keine Ansprache mehr halten. Außenminister Mike Pompeo, Verteidigungsminister Esper und der Chef des Generalstabs, Mark Milley, hatten das Weiße Haus bereits wieder verlassen.

Auf Twitter teilte Trump mit: "Alles ist gut." Erst in einigen Stunden werde er eine Erklärung abgeben. Erst müssten Informationen über Schäden und Opfer gesammelt werden. Aus dem Pentagon heißt es, US-Amerikaner seien bei den Angriffen nicht verletzt worden. 

Im US-Nachrichtenfernsehen legt sich die Aufregung langsam. Aber ein Ende der Konfrontation mit Iran ist es womöglich nicht.

Deeskalation in Washington nach Irans Angriffen auf irakische Stützpunkte
Torsten Teichmann, ARD Washington
08.01.2020 07:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 08. Januar 2020 um 08:03 Uhr.

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